Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Zurzeit herrscht eine Nachrichtenlage, bei der sich Ihr Glossenhauer fragt, wie man das noch satirisch brechen, überhöhen oder sonstwie zerschreddern kann. Diese Woche war zum Beispiel die Schlagzeile zu lesen: "Deutsche Regierung lehnt Sexroboter auf Kassenrezept ab." Einerseits kann man froh sein, dass die deutschen Beitragszahler nicht für die technikbasierten Vergnügungen ihrer Volksvertreter aufkommen müssen. Andererseits muss man hoffen, dass die piefkinesischen Regierungsmitglieder beim Süßholzraspeln mit den künstlichen Lustsklaven nicht irgendwelche Staatsgeheimnisse ausplaudern. Da bekäme der Begriff "dirty talking" eine ganz neue Bedeutung.

Nicht weniger absurd geht es hierzulande zu. Weil Wolfgang "Wolferl" Ambros sich erdreistet hat, seine persönliche Meinung zur österreichischen Bundesregierung ("braune Haufen") einer Zeitung zu erzählen (noch dazu einer deutschen!), haben glühende Fans der einen Regierungspartei ihn mit Schimpftiraden und Verwünschungen eingedeckt (wenn es wirklich Fans waren und nicht digitale Kampfroboter). Einer, so liest man, habe sogar geschrieben, Ambros möge "elendig verrecken". Nun, das wird er. So wie auch Ihr Glossenhauer. Und der Kampfposter selbst. Denn wir werden alle elendig verrecken. Fragen Sie die unterbezahlten Menschen, die in Hospizen arbeiten. Aber das nur nebenbei.

Weil man das aber nicht unkommentiert so stehen lassen wollte, haben sich gutmeinende Menschen zusammengetan, unter dem Hashtag (nein, das sind keine 24 Stunden voller THC) "Schifoan" versammelt und es nun geschafft, dass das besagte Lied von Ambros Nummer 1 der iTunes-Charts in Österreich ist. Draußen hat es knappe 30 Grad und Österreich hört "Schifoan". Da werfe ich als Humorist das Handtuch.

Obendrein ist das Lied unpassend. Erstens haben diverse Regierungsmitglieder selber viel Spaß daran, auf Berge zu steigen oder durch den Schnee zu wedeln. Und zweitens hätte es viel passendere Titel aus dem Oeuvre von Ambros gegeben, um Protest gegen die Regierungspolitik auszudrücken. "Adolf Hitter" etwa als Ode an diverse FPÖ-Politiker. Wenn es sein muss auch "Von Liebe ka Spur" als Kommentar zur Politik von Beate "150 Euro" Hartinger-Klein. Oder das lyrisch feinziselierte "Gsöchta" als Ausdruck der grundsätzlichen Sympathie gegenüber manchem Regierungsmitglied. Passt auch besser zur Witterung.

Und was macht die größte Oppositionspartei einstweilen? Nutzt sie die Gunst der Stunde und setzt sich an die Spitze der Antiregierungsstimmung? Natürlich nicht. Schließlich sprechen wir von der SPÖ. Die präsentiert einstweilen ihr neues Programm, um sich tags darauf deswegen auf offener Straße selbst in die Gosch’n zu hauen. Oder, um es mit Ambros zu sagen: "Heite drah i mi ham". Vielleicht würde aber der SPÖ auch die Anschaffung von ein paar Sexrobotern helfen. Sexuelle Aktivität löst ja bekanntlich Spannungen, und gerade die burgenländischen Genossen sehen ab und zu so aus, als würde ihnen das guttun. Währendessen kann man ja dann Ambros hören. Als grundsätzlichen Kommentar zur aktuellen politischen Lage würde sich da "Wem heut’ net schlecht ist" empfehlen.