Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Am Mittwoch hat der künftige Ex-SPÖ-Chef freimütig den Medien erklärt, er sei wohl nicht die "ideale Speerspitze der Opposition". Wäre eigentlich bis dahin keinem aufgefallen, so gefesselt war die mediale Öffentlichkeit vom allwöchentlichen Sebastian-Kurz-Porträt. Jetzt aber fragt man sich landauf, landab: "Opposition? Stimmt, das gab’s einmal. Brauchen wir das eigentlich? Und wer soll das machen?"

Die Antworten darauf in aller Kürze: Erstens ja. Zweitens ich.

Schon seit ich noch im Kindergartenalter das Plakat "Kreisky - Wer sonst?" erblickte, sagte ich mir in aller Bescheidenheit: Na, ich!

Ich bin also schon seit langem auf diesen Job vorbereitet. Und ich mache jetzt nicht den Kardinalfehler (wieso auch, war nie Ministrant) und verspreche jetzt allen alles. Nein. Aber ich verspreche mir einiges.

Denn langweilig wird es nicht werden mit mir.

Als Erstes werde ich die Opposition einen: SPÖ, Neos, Liste Pilz, vielleicht sogar die Grünen? Am Ende noch die KPÖ und die fliegenden Yogis? Wie soll sich der Wähler in diesem Überangebot zurechtfinden? Schaut man sich in Europa um, sieht man: Parteien sind out, Bewegungen sind der freshe Shit. Und wenn schon Emmanuel Macron sein Sammelsurium "am Oasch" nennen kann, dann kann ich mit meinem Internet-affinen Sammelbewegungsname "sazasdepp.at" nicht völlig daneben liegen. Nervige Fragen nach Inhalten und Perspektiven werde ich nicht mit den immergleichen "Gestalten . . . Österreich . . . Zukunft . . . fit"-Hohlphrasen beantworten. Vor allem, weil wir schon ausreichend Gestalten in Österreich haben. Nein, ich werde ehrlich antworten mit einem: "Glauben Sie, ich bin so hinich im Schädel und erzähl ihnen das jetzt? Schreiben’s, dass ich ein Haustier hab und überlege, bei der nächsten ‚Dancing Stars‘-Staffel mitzumachen. Das interessiert die Leute!"

Auch die Frage nach möglichen internen Querelen, Querschüssen von Hinterbänklern und parteifreundlichsten Intrigen quittiere ich mit einem: "Na, wissen’s: So eine politische Bewegung ist wie eine große Familie. Und wie es in Familien zugeht, können Sie jeden Tag in der Zeitung lesen. Im Chronik-Teil und in den Todesanzeigen. Insofern samma froh, dass wir uns noch nicht gegenseitig eingefritzelt haben. Die subalternen Wappler da hinten wollen doch letztlich auch nur, dass wir g’winnen. Dann kriegen s’ das Staatssekretariat für Blumenpflege, und dann ist a Ruh’."

Auch die Regierung kann sich auf einen völlig neuen Stil einstellen. Meine Reden werden den Parlamentarismus zu ungeahnten Höhen bringen. Beispiel? Bitte: "Und ich sage das in aller Deutlichkeit, meine Damen und Herren, dass ich zu den Vorschlägen der Regierung in aller Deutlichkeit gar nichts sagen werde. Denn würde ich mich in aller Deutlichkeit äußern, könnte mich die gesamte Regierungsbank wegen Rufschädigung, übler Nachrede und schwerer Beleidigung strafrechtlich belangen. Deshalb in Kürze: Das, meine sehr geehrten Vertreter der Regierung, is a feuchter Schas, was Sie da verzapfen!" So bin ich nah am Volk und sammle Ordnungsrufe wie andere Strafzettel. Es wird herrlich!

Und dann ist Wahl. Und danach . . . geht die Suche von vorne los.