Bald werden sie wieder ihr Festtagsgewand anziehen, die schwarzen bis oben zugeknöpften Jacken, die weißen Handschuhe, die auf Glanz polierten Stiefel. Dazu der Hut ohne Krempe mit Hahnenfedern. Polens Bergleute feiern zum Namenstag ihrer Patronin Barbara, am 4. Dezember, ihren Beruf - mit Gottesdiensten, Umzügen mit Musikkapellen und anderen Veranstaltungen.

Der Abbau von Stein- und Braunkohle hat in Polen jahrhundertelange Tradition; aus in sklavenähnlichen Verhältnissen schuftenden Arbeitern hat sich ein stolzer Berufsstand entwickelt, der im Sozialismus zur Elite des Proletariats gehörte. Und im Laufe der Jahre ist der Bergbau zu einer Institution geworden, die nicht nur zehntausende Jobs und einen wichtigen Wirtschaftszweig bedeutete sondern wie ein nationales Symbol behandelt wurde.

Doch hatte das seine Kosten. Kaum eine Regierung hat es gewagt, veraltete und unrentable Kohleminen zu schließen und Menschen zu entlassen - schon gar nicht das derzeitige nationalkonservative Kabinett in Warschau. Auf Kohle könne und wolle das Land nicht verzichten, erklärte Premier Mateusz Morawiecki denn auch kurz nach seinem Amtsantritt vor einem knappen Jahr. Dass sich dabei der Umstieg auf alternative Energiequellen nur unter Mühen gestaltet, liegt auf der Hand.

Es ist aber ausgerechnet Polen, das in der kommenden Woche die Weltklimakonferenz ausrichtet, übrigens nicht zum ersten Mal. Wie schon vor zehn Jahren in Posen und dann 2013 in Warschau werden nun tausende Politiker, Experten und Aktivisten in Katowice/Kattowitz zusammenkommen - einen Tag vor dem Barbara-Tag. Die Stadt liegt im Süden Polens, wo der Großteil der Steinkohle gefördert wird. Der Bergbau ist in den Städten und Landschaften dort zu sehen und zu spüren: Schutthaufen, rauchende Schornsteine, Industrieanlagen, Russ auf den Hausdächern und Fassaden. Die Luft ist massiv belastet: Nach Angaben der Welthandelsorganisation WHO lagen im Jahr 2016 von den 50 meistverschmutzten EU-Städten 33 Orte in Polen. Im Winter werden die Smog-Werte in Kattowitz ebenso überschritten wie in der 80 Kilometer entfernten alten Königsstadt Krakau.

In den 1990er-Jahren wurde Strom in Polen fast zur Gänze aus Kohle produziert; jetzt beträgt deren Anteil noch immer an die 80 Prozent. Ein Ausstieg bis 2050, wenn die Welt ohne fossile Brennstoffe auskommen soll, sei auch nicht vorstellbar, meinte Energieminister Krzysztof Tchorzewski vor kurzem. Bis zur Jahrhundertmitte soll der Kohleanteil am Energiemix aber auf die Hälfte reduziert werden.

Das Bewusstsein für den Umweltschutz ist unterdessen dennoch gestiegen, nicht zuletzt wegen der schlechten Luft. Organisationen wie der Polnische Smogalarm machen Druck auf Politiker und Behörden, Verbrennungsanlagen zu modernisieren und Kontrollen durchzuführen - auch in Privathaushalten. Denn deren Emissionen sind mindestens genau so belastend wie jene der Energiewirtschaft oder des Verkehrs. In so manchem Ofen landet alles, was brennt. In einigen Orten führt das zu Smog-Werten, die sogar jene Pekings oder Neu Delhis übersteigen.