Man kann es natürlich so sehen wie Alejandro Dominguez, und auf den ersten Blick spricht nichts dagegen: "Das Wichtigste ist, wir haben einen Sieger, und es gab keine Probleme", sagte der Präsident der südamerikanischen Fußball-Konföderation Conmebol nach dem Finale der Copa Libertadores in Madrid. Und man möchte hinzufügen: Es war ein würdiges und spannendes Spiel, in dem River Plate gegen die dezimierten Boca Juniors einen 0:1-Rückstand in einen 3:1-Sieg nach Verlängerung umwandelte und nach dem auch die spanische Polizei, die mit einem Großaufgebot angerückt war, zufrieden Bilanz ziehen konnte. Doch genau da offenbart sich das große "Aber": Denn dass das Buenos-Aires-Derby aus Sicherheitsgründen gleich auf einen anderen Kontinent verlegt werden musste, dürften nicht nur diejenigen als Armutszeichen sehen, die die Austragung in Madrid zynisch finden - wo doch der Bewerb die Befreiung von den Kolonialmächten im Namen trägt. Dass wegen der Verlegung die Auswärtstorregel gekippt werden musste (das Hinspiel war 2:2 ausgegangen) und auch der Internationale Sportgerichtshof noch ein Wörtchen bei der endgültigen Beglaubigung mitreden könnte (Boca hatte schon davor eine Disqualifikation River Plates gefordert, weil das Rückspiel wegen Fan-Ausschreitungen nicht wie geplant am 24. November in Buenos Aires stattfinden konnte), passt ebenso ins getrübte Bild wie das Faktum, dass es bei den Feierlichkeiten in Argentinien nicht ganz so friedlich zuging. Doch man muss Dominguez auch verstehen: Auf den Ehrenplätzen, auf denen unter anderem auch von ihm präferierte Ideen wie die Aufstockung des WM-Feldes ab Katar 2022 sowie eine WM im Zweijahrestakt vorangetrieben werden, bekommt man von derlei Problemen vielleicht nicht allzu viel mit.