Es sind komplizierte Zeiten auf dem Musikmarkt. Die Plattenfirmen plagen sich: CD und Vinyl haben an Boden verloren. Die Streamingplattformen haben aber auch ihr Binkerl zu tragen: Sie gelten als Medium der Stunde, sind aber auf Gedeih und Verderb von den Labels abhängig - denen ja das Material gehört, das Spotify und Konsorten billig feilbieten. Kurz: Man hat es mit einer Schicksalsgemeinschaft zu tun. Was tut man in einer solchen? Nett zueinander sein. Weil man muss.

Damit hat wohl auch die jüngste Jubelmeldung von Universal Music zu tun, die einen Streaming-Erfolg rühmt. Auf den ersten Blick eine Sensation, und eine Wonne für alle Fans der Band Queen: Der Song "Bohemian Rhapsody" wahrt im Digitalzeitalter seinen Königsrang. Die Sechs-Minuten-Rockoper ist der meistgestreamte Titel aus dem 20. Jahrhundert. Addiert man die Zahlen aller Portale, knackte die "Rhapsody" die Marke von 1,6 Milliarden Klicks: ein Triumph für ein exzentrisches Lied, dem 1975 eine kurze Lebenszeit prophezeit wurde; und eine Freude für das Plattenlabel, das am Song nun wieder stark verdient, weil ein gleichnamiger Film das Interesse befeuert. "Bohemian Rhapsody" ist heute aber auch Sinnbild für eines: Der Achsenschluss Label, Streaming und Künstler ergibt dann für alle Sinn, wenn sich Klickzahlen in Millionenhöhe schrauben. Darunter müssen sich die Musiker, so lassen es manche durchblicken, mit Peanuts begnügen. Keine Bestbedingungen für die "Rhapsody" von morgen. Wobei: Auch Freddie Mercury, einst Gepäckträger, war hart im Nehmen.