Erst vor zwei Monaten trat er sein Amt an, er nannte es den "Höhepunkt eines persönlichen und beruflichen Weges". Nun ist Gabriele Gravina als Präsident des italienischen Fußballverbandes auf dem (vorläufigen) Tiefpunkt angekommen: Gewalt und Rassismus hatten die 18. Runde der Serie A überschattet. Bei Ausschreitungen rund um das Spiel Inter gegen Napoli (1:0) waren mehrere Menschen verletzt worden und ein Mann - offenbar ein polizeibekannter Norditaliener aus dem rechtsextremen Milieu - ums Leben gekommen. Der genaue Hergang ist nicht restlos geklärt, laut Berichten war ein Kleinbus mit Napoli-Fans zuvor in eine angreifende Gruppe gefahren und hatte den Mann überfahren. Im Stadion, wo man von den Vorfällen noch keine Kenntnisse hatte, hatten indessen rassistische Schmähgesänge gegen den senegalesischen Napoli-Spieler Kalidou Koulibaly das Geschehen überschattet. Am Donnerstag entschied die Disziplinarkammer der italienischen Liga, dass Inter zwei Heimspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten und die Fankurve in einer weiteren Partie geschlossen bleiben muss. Und sonst? Die 19. Runde am Samstag dürfte jedenfalls wie geplant angepfiffen werden. Die Probleme sind nicht neu, lange haben die Granden des Calcio und mit ihnen die Politik weggeschaut. Jetzt sagt Gravina, dessen Wahl sich um Monate verzögert hatte: "Genug ist genug. Was geschehen ist, darf nicht mehr toleriert werden."

Man nimmt dem Mann seine Erschütterung ab - allerdings auch seine Hilflosigkeit. Denn ob man mit (Teil-)Stadionsperren die Probleme, die sich längst nicht nur auf den Fußball beziehen, lösen wird können, ist mehr als fraglich. Bleibt es weiter dabei und ansonsten bei Lippenbekenntnissen, ist nicht auszuschließen, dass weitere Tiefpunkte folgen.