Die Steinhof-Gründe in Ottakring sind ein stetiger Stein des Anstoßes und der politischen Debatte
in Wien. Die historischen Gebäude von Otto Wagner nebst üppigen Grünflächen erhalten oder die nicht bebauten Flächen einer modernen Bebauung zuführen - so lauten die Positionen, an denen sich stets (durchaus heftige) Debatten entzünden. Diese sind nun um eine Facette reicher. Denn Gernot Blümel, nicht nur Kulturminister, sondern auch Wiener ÖVP-Chef, hat eine Prüfung eingeleitet, ob das Areal den Status eines Unesco-Weltkulturerbes erhalten kann, wie ihn etwa Schönbrunn hat. Zumindest soll untersucht werden, ob das von Wagner gestaltete Gebäudeensemble Welterbe-tauglich ist.

Das ist freilich noch keine Nominierung, sondern eine Art Vorprüfung, die ein Mitgliedstaat einleiten kann. Auf Anfrage im Ministerbüro wird die durchaus lokalpolitische Tangente klar: "Dieses Gebäudeensemble ist außergewöhnlich und einzigartig. Leider verabsäumt es die Stadt Wien seit Jahren, das Ensemble auch langfristig zu sichern, wodurch der Bestand immer mehr verfällt", heißt es in einer Stellungnahme.

Ob es sich dabei um eine gezielte Spitze gegen die Stadt Wien oder um redliches Bemühen um die Sache handelt, ist eigentlich nicht relevant. Tatsache ist, dass ein objektiverer, internationaler Blick auf das historische Areal sicher nicht schaden kann. Gerade in Zeiten, da in Wien tatsächlich ein altes Haus nach dem anderen pulverisiert wird, kann gar nicht genau genug hingeschaut werden.