Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Während Mikaela Shiffrin am Dienstagabend nach der Zieldurchfahrt momentelang betreten gen Boden starrte, als hätte sie soeben WM, Olympia und Gesamtweltcup in einem verspielt, kugelte sich Petra Vlhová vergnügt wie eine Schneeprinzessin im Flachauer Tiefschnee. Die anschließenden "Congrats" der unterlegenen Seriensiegerin fielen einsilbig, unterkühlt und unverkennbar widerwillig aus. Auch wenn nachher wieder die Standardsätze von gegenseitigem Respekt und inniger Wertschätzung bemüht wurden, merkte man, dass die Rivalität der beiden Slalomartistinnen tiefer geht.

Das Verhalten Shiffrins (links im Bild) nach fünf Slalomsiegen in Serie (stets vor der Slowakin) mag auf den ersten Blick unverständlich erscheinen. Allerdings kennt sie das Wort Niederlage eigentlich nicht - und lässt diese nur gelten, wenn sie sich selbst schlägt. Nun aber kann in ihrer Paradedisziplin erstmals eine Herausforderin ebenso schnell fahren wie sie und ist zudem im Stande, sich mit unbändigem Eifer Stück für Stück heranzubeißen. "Sie pusht mich ans Limit", sagte Vlhová in Flachau. Und mit erst 23 Jahren, so wie Shiffrin, ist sie eine echte Gefahr für deren Rekordansprüche in Richtung bester Skifahrerin aller Zeiten. Weit und breit ist sonst niemand zu sehen, der Shiffrin auf dem Weg zu den nächsten Titeln und der realistischen Zahl von 100 oder mehr Weltcupsiegen aufhalten könnte. Für neutrale Fans bietet das Duell viel Stoff für wieder spannendere Rennen und echte Emotionen.