Judith Belfkih, stellvertretende Chefredakteurin der "Wiener Zeitung".
Judith Belfkih, stellvertretende Chefredakteurin der "Wiener Zeitung".

Zur Spitze hin werden die feinen braunen Flecken auf der beigen Grundierung weniger. Die Spitze selbst ist gänzlich Sprenkel-frei. Abgesehen davon fällt es durch seine gleichmäßige Form auf. Die Oberfläche ist poliert, an den Seiten schimmernd. Etwas schief steht es vielleicht da, leicht nach links geneigt. Das verleiht dem Bild eine gewisse Spannung. Abgesehen davon zeigt es: ein braunes Ei. Doch so gewöhnlich ist das Ei nur auf den ersten Blick: Es ist Weltrekordhalter. Das braune Ei hat so viele Herzerl auf der Bilderplattform Instagram wie kein anderes Foto: Es kratzt aktuell an der 40-Millionen-Marke. Ziel des Posts war es, ein Babyfoto von Kylie Jenner, der kleinen Schwester von Kim Kardashian, von Platz eins zu fegen - was mit mehr als der Verdoppelung der 18 Millionen Likes definitiv gelungen ist.

Ist jetzt das Ei beliebter als Baby-Kylie? Eine gewisse augenzwinkernde Kritik an der Beliebigkeit Sozialer Medien darf man hinter der Aktion zumindest vermuten. Sie verleiht aber auch Hoffnung. Was, wenn es bei der nächsten Millionen-Solidaritätsbekundung nicht um das Match Babyfoto gegen Ei geht, sondern um relevante Themen? Den Klimawandel vielleicht, die globale Ungerechtigkeit? Die globale Potenz der Sozialen Netze ist gerade erst dabei, sich warmzulaufen und ihre Mechanismen zu verfeinern. Sie hätten - theoretisch - die Kraft, die Welt zu verändern, zu einer besseren zu machen.

Bis eine schnurrende, flauschige, Eier legende Babykatze die flüchtige Aufmerksamkeit der Netzgemeinde weiterhüpfen lässt.