Hat der Medien-David also den Goliath geschlagen! Am Dienstag druckte die "Kronenzeitung" in ihrem Anzeigenteil einen Glückwunsch ab, der Politik-Kenner stutzen ließ: "Lieber Gotti!", hieß es da, "danke für alles, was du für uns getan hast! Auf viele weitere Jahre! Dein Heinz-Christian und die Sportlergruppe Langenlois". Für Befremden sorgte vor allem, wer mit diesem "Gotti" gemeint war: Unter dem Text prangte ein Foto von Gottfried Küssel, in rechtsextremen Kreisen einschlägig bekannt.

Nun hat natürlich nicht ein gewisser "Heinz-Christian" die Anzeige schalten lassen, schon gar nicht der gleichnamige Minister, sondern ein schelmisches Gemüt: Das Satire-Portal "Die Tagespresse" steckte hinter der Aktion und gab dies am Dienstagnachmittag auf seiner Homepage bekannt: Ja, wir haben das mächtige Kleinformat gefoppt. Der Jubel der "Krone"-Gegner ließ nicht lange auf sich warten. In einem Posting hieß es: "Sagt viel über dieses Blatt, dass der ‚Glückwunsch‘ gedruckt wurde."

Mit Verlaub: Tut es nicht. Man muss kein Freund der "Krone", ihrer Linie und Kampagnen sein, um die Überzeugung zu vertreten: Es ist nicht schwer, eine Anzeigenabteilung zu narren, denn eine solche ist wohl kaum mit Politikexperten besetzt, weder in der "Krone" noch in linken Medien. Und ganz ehrlich: Ohne einen Begleittext wäre der Witz rund um den "lieben Gotti" wohl auch manchem "Krone"-Hasser entgangen, der nun so herzlich über die Blamage lacht. Kurz: Das war schon ein billiger Sieg.