Tamara Arthofer ist Leiterin des Sport-Ressorts der "Wiener Zeitung".
Tamara Arthofer ist Leiterin des Sport-Ressorts der "Wiener Zeitung".

Cristiano Ronaldo trifft, Juventus siegt (1:0 gegen Milan), holt sich zum achten Mal den italienischen Supercup und damit einen neuen Rekord - und in all dem Jubel gehen die Misstöne der vergangenen Tage unter. Dabei hatte die Vergabe des Spiels nach Jeddah in Saudi-Arabien im Vorfeld für reichlich Wirbel gesorgt. Schließlich steht das Land bei Menschenrechtsorganisationen in der Kritik, wird international mit Argusaugen beobachtet und gestattet Frauen nur unter ganz speziellen Bedingungen den Zugang zum Stadion. Mit internationalen Sport-, Musik- und Unterhaltungsveranstaltungen will das Land, in dem die Scharia gilt, sein Image aufbessern. Einige Lockerungen - wie die Tatsache, dass Frauen überhaupt ins Stadion dürfen - werden als werbewirksame Botschaften in alle Welt verkauft, greifen aber nicht tief genug, um wesentliche Verbesserungen zu bringen. Verkauft habe sich nun auch, monieren Kritiker, Italiens Fußball - nämlich an ebendiese Werbekampagne. Laut Amnesty International kassiert die Liga sieben Millionen Euro für die Vergabe des Spiels. "Vor einem solchen Angebot schließt die Liga die Augen vor den Verletzungen der Menschenrechte in dem Land", schrieb Amnesty. Die Bedenken sind berechtigt, doch Italiens Fußball, der auch schon Finalspiele in der katarischen Hauptstadt Doha ausgetragen hat, tut nichts anderes als der Rest der Sportwelt - er macht gute Geschäfte in fragwürdigen Ländern, wie es überall passiert: durch Sponsorendeals, Trainingscamps, Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaften. Als Höhepunkt verhandelt Fifa-Chef Gianni Infantino mit nicht näher genannten Geldgebern aus der Golfregion über einen Verkauf maßgeblicher Fifa-Rechte. Und der Mann ist immerhin der Chef des Weltverbandes. Da braucht man sich über italienische Reisen nach Jeddah nicht zu wundern.