Bernhard Baumgartner ist Redakteur im Kultur-Ressort der "Wiener Zeitung". - © WZ / Thomas Seifert
Bernhard Baumgartner ist Redakteur im Kultur-Ressort der "Wiener Zeitung". - © WZ / Thomas Seifert

Die sozialen Netze bieten ihren Nutzern eine Vielfalt an Möglichkeiten. Die einen sind sehr vorsichtig und bedächtig bei der Auswahl der Dinge, die sie über sich preisgeben wollen. Und dann gibt es wahre Datenschleudern, die ohne Rücksicht auf Verluste aus ihrem Privatleben posten. Wer zu den prinzipiellen Bedenkenträgern gehört, den wird die soeben in "Nature Human Behaviour" publizierte Studie der University of Vermont wohl nicht in helle Begeisterung versetzen.

Denn den Forschern ist es gelungen nachzuweisen, dass man es nicht alleine in der Hand hat, was über einen selbst abgeleitet werden kann. Durch die Auswertung von Postings von 8 bis 9 Kontakten ist es den Forschern gelungen, sehr präzise Voraussagen über eine Zielperson zu machen, auch wenn diese noch gar nicht selbst gepostet hat. Später von der Person geäußerte Ansichten stimmten mit den Voraussagen überein.

Die Studie verarbeitet dazu 30 Millionen Tweets von fast 14.000 Usern. Die Forscher vergleichen ihre Ergebnisse mit den Effekten des Passivrauchens. Auch wer selbst nicht raucht, aber engen Kontakt zu Rauchern pflegt, kann bekanntlich Schäden davontragen. Das bedeutet, dass die Sicherheit der eigenen Daten nicht nur von einem selbst, sondern auch von der Umgebung abhängt. Auch eine Totalkarenz schützt daher nicht davor, dass Eigenschaften aus dem Umfeld abgeleitet werden können. Wir werden uns wohl oder übel damit anfreunden müssen, mit dieser "Datenverschmutzung" leben zu lernen.