Gabin Formont ist der Mann, der der Gelbwestenbewegung in Frankreich ihre eigene Berichterstattung gegeben hat. Er ist der Gründer von "Vécu, das Medium der Gelbwesten". Es erscheint auf Facebook und hat zigtausende Abonnenten. Damit schließt Formont eine Lücke, denn viele der Demonstranten sehen sich durch die existierenden Medien nicht oder falsch dargestellt. Journalisten haben es in Frankreich derzeit nicht leicht. Die Regierung wirft den Medien vor, mit ihrer Berichterstattung die Proteste erst befeuert und damit zu einer Eskalation der Gewalt beigetragen zu haben. Für die Gelbwesten wiederum ist die "Lügenpresse" Teil des etablierten Systems und deren Mitarbeiter somit Ziel von physischen Attacken. So werden viele Medien einerseits zwischen beiden Fraktionen zermahlen und haben andererseits durch die Proteste Rekordquoten und wohl auch -einnahmen zu verzeichnen. Das Vertrauen der Franzosen in die Medien wiederum ist an einem Tiefpunkt angelangt, gleichzeitig ist das Interesse an Aktualität enorm. Daraus ergibt sich eine Nische, in die Formont mit "Vécu" ("Erlebt") vorstößt. Der Endzwanziger filmt mit seinem Smartphone Demonstrationen der Gelbwesten, Übergriffe der Polizei, interviewt Betroffene, stellt Pressekonferenzen der Gelben ins Netz. Alles intuitiv. Journalistische Ausbildung hat er nicht. Umso überzeugender ist das Produkt. Manchmal hört man ihn auf den Aufnahmen, wie er zornig mit den Polizisten redet. Seine Subjektivität ist kein Geheimnis. "Ich habe es nicht mehr ausgehalten, all die Verletzten zu sehen, Menschen, die ihre Augen verlieren, ihre Hände, die quasi ihr Leben verlieren", erklärt Formont gegenüber der französischen Tageszeitung "Libération" seine Motivation "Vécu" zu schaffen. Seit Beginn der Proteste wurden hunderte Menschen verletzt und elf getötet. "Das sind Kriegsversehrte", sagt Formont, "und die traditionellen Medien - vor allem das Fernsehen - berichten nicht darüber." Das stimmt zwar nicht. Aber nach den Vorwürfen der Regierung haben sich viele Medien dazu entschieden, keine Interviews mit anonymen Gelbwesten mehr zu führen und auch keine Amateuraufnahmen mehr zu publizieren; nicht zuletzt weil die Gefahr besteht, dass diese aus dem Kontext gerissen oder gefälscht wurden. Es ist auch nicht so, als hätten die Gelbwesten kein sie unterstützendes Medium. Der Sender "RT France" (vormals "Russia Today") interviewt in dieser Angelegenheit alles, was ihm vor das Mikro kommt, auch übelste Verschwörungstheoretiker und Rassisten. Doch Formont bietet den Gelbwesten noch etwas mehr: Er hat einen Draht zu ihnen. "Um die Bewegung zu verstehen, musst du aus der Scheiße kommen", sagt Formont gegenüber "Liberation". Sollte das tatsächlich so sein, hat er die besten Voraussetzungen, seine Leser zu verstehen. Seine über alles geliebte Mutter habe Suizid begangen, sein Vater sei gewalttätig und oft im Gefängnis gewesen. Er selbst, berichtet Formont, habe zehn Jahre bei Pflegeeltern gelebt, bevor er wieder mit seinen Geschwistern zusammengekommen sei. Er versuchte sich in der Gastronomie und als Verkäufer von Marihuana-CBD und in einem Monat läuft sein Arbeitslosen-Bezug aus.