Jetzt zücken also auch schon in den untersten Kelleretagen des Fußballs die Klubs ihre scheinbar vollen Geldbörsen. Während der europäische Transfermarkt nach dem 222-Millionen-Rekorddeal um Neymar noch des Moments harrt, an dem die Viertelmilliarde geknackt wird, suchen jetzt auch schon die Zweit- und Drittligisten in Englands Fußballliga offenbar den Anschluss. Wie am Freitag bekannt wurde, wechselt der bekannte Kultstürmer Will Grigg vom Zweitligisten Wigan Athletic zum drittklassigen Sunderland AFC - und das für die absurde Summe von 4,6 Millionen Euro. So viel hat noch nie ein Verein dieses Standings bezahlt. Solche Beträge erzielt selbst Österreichs Bundesliga, wo nur ein Viertel der bisher 100 teuersten Transfers über dem Sunderland-Angebot lag, nur selten. Was würde wohl ein Munas Dabbur, der seinen Klubs Grasshoppers und Salzburg kürzlich "nur" je fünf Millionen wert war, dazu sagen?

Mit dem Talent allein kann es ja nicht zu tun haben. Denn wäre es anders, würde Grigg - so wie Dabbur ab Juli - beim FC Sevilla oder einem anderen Großverein spielen und dementsprechend hohe Ablösen erzielen. Tatsache ist aber, dass der Nordire noch nie im Ausland, geschweige denn erstklassig gekickt hat. Daran ändert auch sein Nimbus als Goalgetter bei Wigan (98 Tore) oder Kultstürmer im nordirischen Nationalteam, wo er zuletzt bei der EM 2016 mit dem Fansong "Will Grigg’s on fire" europaweit große Popularität gewann, nichts. Was wiederum nur den Schluss zulässt: Der Deal ist PR-Gag und Strohhalm für Sunderland, das 2017 und 2018 zwei Mal in Folge abgestiegen ist, in einem. Mag sein, dass Grigg das bringt. Der Preis für das Risiko ist aber hoch.