Christoph Waltz ist einer der wenigen Österreicher, die es aus dem Wiener "Am dam des"-Studio auf die Oscar-Bühne geschafft haben. Das verschafft den Worten des Auslandswieners, der in Los Angeles lebt, Gewicht. Und Christoph Waltz versteht es als gelernter Österreicher natürlich, brillant zu provozieren. So ist es schon ein Meisterstück, ausgerechnet der deutschen "Welt" ein Interview zu geben, in dem er mitteilt, dass man "nach Österreich momentan nicht hin kann". Aus politischen Gründen nämlich, denn er "leide sehr an Österreich" und finde "die politische Entwicklung besorgniserregend". Das an sich wäre keine Nachricht, denn Waltz ist nicht nur Film-, sondern auch PR-Profi und weiß natürlich, dass man irgendetwas Provokantes in einem Promotion-Interview für einen Film sagen muss, sonst druckt das keiner. Erstaunlicher ist da schon, wie Waltz den intellektuellen Widerspruch aufzulösen versucht, der zwangsläufig daraus erwächst, dass er derzeit in einem Land lebt, das vom nahezu einhellig als schlechtesten Präsidenten aller Zeiten gesehenen Mann regiert wird. Einem Mann, der sich ob seines Prominentenstatus zugesteht, Frauen ungebeten in die Hose zu greifen, der Migrantenkinder in Käfige sperren lässt und der die Welt der Klimakatastrophe aussetzt, weil er nicht an die Wissenschaft glaubt. Das sei alles nur ein Symptom, meint Waltz - und man solle es nicht "aus der Perspektive des europäischen Chauvinismus sehen". Also demnach aus der Ferne urteilen?

Danke, keine weiteren Fragen.