"Performen", also "sich in Bezug auf den Wert entwickeln", wie der Duden erklärt, ist ein nur von wenigen gebrauchter Begriff aus der Finanzbranche. Banker und Analysten nehmen ihn gern in den Mund, ebenso Manager und Wissenschafter. Skifahrer dafür so gut wie gar nicht - mit einer Ausnahme: Marcel Hirscher. Der Annaberger scheint tatsächlich den Sprech seines Großsponsors Raiffeisen verinnerlicht zu haben. Tippt man die Worte "Performen" und "Hirscher" in die Suchmaske von Google, liefert der Computer dutzende Treffer, ersetzt man den Namen durch Kriechmayr, Matt, Schwarz, Siebenhofer, Venier oder Schmidhofer kommt - nichts.

Die Sager von Hirscher dagegen sind Legion: "Es ist nun so, dass ich mit weniger Training gleich performen soll" (Adelboden, 12. Jänner), "Es war ein Megarennen, man will da ja auch performen" (Kitzbühel, 26. Jänner) oder "Hier zu fahren und vor heimischem Publikum zu performen, ist ein Privileg" (Schladming, 29. Jänner) - die Liste an Zitaten ließe sich beliebig fortsetzen. So wundert es auch nicht, dass der 29-Jährige am Wochenende auch bei der WM in Aare verbal "zuschlug". "Das ist nie der Anreiz für mich, der Anreiz ist, so zu performen wie im ersten Durchgang", sagte der elffache WM-Medaillengewinner etwa auf die Frage, ob er 2021 in Cortina den Rekord von Kjetil Andre Aamodt (der bei zwölf Mal Edelmetall hält) angreifen werde.

Nun, wirklich glauben will das Hirscher freilich niemand. Wer schon so viel gewonnen hat und kurz davor ist, mit dem Brechen der letzten Rekorde (Medaillen, Weltcupsiege) in den Oberolymp einzuziehen, gibt nicht kurz vorm Ziel auf. Das lässt sich auch nicht durch dauerndes Tiefstapeln, den Verweis auf die eigene Fitness oder einen Schnupfen kaschieren. Dass Hirscher das weiß und will, verrät er nicht nur durch seine "Performance", sondern vor allem auch durch seine Sprache.