"Oberpflaumen!", "Deppen!", "Volltrottel!", "Hunde!": Gut, die zwei mutmaßlichen Blutdoper Dominik Baldauf und Max Hauke haben Schande über sich, ihren Sport und ihr Land gebracht - sie Lügner und Betrüger zu nennen, ist mehr als legitim. Dass sie sich von Funktionären, Kollegen und (seriösen) Medien derart beschimpfen lassen müssen, ist schon grenzwertig. Widerwärtig wird es dann, wenn Hass und Hetze (in diesem Fall ist sie offenbar legitim!) dazu führen, dass ein Ermittler ein Polizei-Video hinausspielt und der Athlet Hauke zum Gaudium eines Millionenpublikums vorgeführt wird. Zeigt es ihn doch - verängstigt in die Kamera blickend und von Polizisten umstellt - beim Blutdoping. Noch mit der Nadel im Arm. Stundenland im Internet abrufbar, skandalöserweise auch gezeigt im ORF-Sport. "Hängt sie höher!", scheint das opportune Motto zu sein, wie die gekränkte Skination (die freilich gar keine Langlaufnation ist) mit diesem Skandal umgeht. Kein Zweifel, die beiden mögen ihre gerechte Strafe erhalten und für das einstehen, was sie verbockt haben, aber in einer zivilisierten Demokratie haben sie auch ein Recht auf ein Leben nach dem Doping-Fall. Und das scheint man den beiden im Shitstorm des Volkszorns gerade zu verunmöglichen. Dabei gibt es einige Beispiele, wie sich Doping-Sünder rehabilitieren konnten - etwa der Kurzzeit-Tour-de-France-Dritte Bernhard Kohl. Aber das funktionierte nur, weil er reinen Tisch gemacht, sich nicht zum armen Opfer stilisiert und zudem alle Hintermänner genannt hat. Das war 2008. Dass sein damaliger Arzt vom Team Gerolsteiner einer der Genannten war und nunmehr als Mastermind der deutschen Dopingzelle gilt, zeigt aber, dass die Wut, die Baldauf und Hauke trifft, besser aufgeteilt wäre.