Ein Teilnehmer aus Finnland: "Politische Parteien sind nur dann an Migranten interessiert, wenn diese Wählerstimmen bringen könnten."

Eine Meinung aus den Niederlanden: "Bei Integration geht es nicht nur um das Lernen der Sprache oder das Anpassen an die niederländische Kultur, sondern auch darum, die entsprechenden wirtschaftlichen Möglichkeiten zu bekommen."

Eine Beobachtung aus Spanien: "Wenn du keinen guten Platz zum Wohnen hast oder umziehen musst, landest du in einer Gegend, in der viele Migranten leben. Und in einem Bewerbungsgespräch wirst du dann nach deinem Wohnort gefragt."

Ausbildung, Beschäftigung, Wohnsituation, politische Beteiligung: All das sind Bereiche, in denen Integration von Ausländern stattfinden müsste und um die in Europa heftige politische Debatten kreisen. Dabei werden die Stimmen der Migranten selbst aber oft zu wenig gehört - auch wenn gerade diese Erfahrungen und Expertise einbringen könnten. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Europäischen Migrantenbeirats (EMAB).

Das EU-gestützte Gremium wurde im Vorjahr gegründet und setzt sich aus einer kleinen Gruppe von Beratern zusammen, die selbst eingewandert sind oder aus Immigrantenfamilien stammen.

Ihre Studie führten sie in Deutschland, Finnland, den Niederlanden, Griechenland, Italien, Spanien und Portugal durch. Daran beteiligt waren mehr als 500 Menschen aus vier Dutzend Ländern, aus Somalia, Syrien, Afghanistan, dem Irak und etlichen anderen. An die Hälfte der Beteiligten lebte erst kürzer als drei Jahre im Aufnahmeland. Die Online-Befragung wurde durch Gruppengespräche ergänzt, denen die Zitate am Anfang entnommen sind.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen in einigen Bereichen ein recht hohes Maß an Unzufriedenheit und den Wunsch nach Verbesserungen. So finden 71 Prozent der Teilnehmer die angebotenen Integrationsmaßnahmen ungenügend. 81 Prozent wünschen sich praktikablere Sprachkurse, fast ebenso viele eine bessere Einschätzung der eigenen - nicht zuletzt - beruflichen Fertigkeiten. Beides wird zu den größten Herausforderungen gezählt, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen: mehr Unterstützung beim Spracherwerb und die Anerkennung von Qualifikationen.

Bei der Wohnungssituation wiederum bemängeln drei Viertel der Befragten, dass sie zu weit weg vom Arbeitsplatz und von etlichen Dienstleistungsstellen wohnen.

Generell zeichnet die Studie ein Bild von Menschen, die sich gern mehr integrieren würden, als sie Möglichkeiten dazu sehen. Gleichzeitig werde der Ton der Debatte über Migration in vielen europäischen Ländern als negativ empfunden, wozu auch die Auswirkungen der Flüchtlingskrise beigetragen haben. Diese ist für den in Bulgarien geborenen Politologen Ivan Krastev der "primus inter pares" der Krisen, die Europa in den vergangenen Jahren zu bewältigen hatte. Und es erweist sich, dass westliche Demokratien mit der Einbindung ihre Schwierigkeiten haben können. "Im Zeitalter der Migration beginnt die Demokratie als Instrument des Ausschlusses statt der Inklusion zu funktionieren", schreibt Krastev.