Die Maroniten sind Katholiken, ihre Vorfahren sind vor hunderten von Jahren aus dem Nahen Osten ausgewandert. An die 5000 leben derzeit auf Zypern, die meisten im Süden. Doch hunderte von ihnen sind auch nach 1974 in ihren Dörfern im Norden geblieben, auch nachdem die türkischen Truppen einmarschiert sind und die Insel geteilt wurde. Seit 30 Jahren finanziert nun die Regierung der Republik Zypern die Lebensmittel, die die UNO zweimal im Monat zu den Maroniten ebenso wie zu den griechischen Zyprioten auf der lang gezogenen Karpasia-Halbinsel liefert. Notwendig wäre das mittlerweile in den meisten Fällen nicht mehr. Die Grenzen zwischen den beiden Inselteilen sind geöffnet, die Menschen sind nicht mehr abgeschnitten von Kindern und Verwandten.

Geändert hat sich auch die Kontrolle: Noch vor wenigen Jahren fuhren türkische Soldaten mit dem Konvoi mit, beäugten misstrauisch jeden Schritt, ließen Anita kaum mit den Menschen reden. Seit eineinhalb Jahren sind türkisch-zypriotische Polizisten die Begleiter, in Zivil. Sie mischen sich nicht ein.

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Drei Dörfer fährt die Patrouille ab: Asomatos, Karpasia und Kormakitis. An ihr ziehen die im Winter grüne Hügellandschaft mit den kahlen Bergen im Hintergrund vorbei, die am Straßenrand errichteten Etablissements, die sich Lipstick- und White Horse-Night Club nennen, kurz danach die umzäunten Militärcamps. Vor Asomatos bleiben die Wagen an einer Schranke stehen. Ein türkischer Soldat schaut mit einem Spiegel unter die Autos, bevor er sie passieren lässt. Das Dorf liegt mitten im Militärgebiet.

Zwei alte Maronitinnen wohnen noch hier. Eine von ihnen ist die 83-jährige Emili. Ihr Mann ist vor vier Jahren gestorben, vier Kinder leben im Ausland: in Kanada und Wien. Nur eine Tochter ist auf Zypern geblieben, im Südteil von Nikosia. Im Sommer 1974 ist auch Emili mit den Kindern geflohen. Doch nach sieben Monaten kam sie allein zurück, zu ihrem Mann, der in Asomatos geblieben war. "Wir hatten hier doch unser Haus, unsere Felder, den Traktor und Mähdrescher", erzählt sie. Im Haus der frisch verheirateten Tochter hatten sich in der Zwischenzeit türkische Soldaten einquartiert, die Aussteuer war weg.

Drei Jahre lang konnte Emili ihre Kinder nicht sehen, und auch später war ihre Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Telefonieren durfte sie nur unter Aufsicht der Soldaten. Jahrelang wurde nicht einmal ein Arzt in das Dorf reingelassen.

Vor etwas mehr als 30 Jahren war Asomatos ein Dorf mit 750 Einwohnern, mit einer Schule, Kaffeehäusern und einer gut besuchten Kirche. Nach 1974 waren gerade einmal 100 Menschen geblieben. Und auch von denen gingen im Laufe der Zeit die meisten weg.

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Die Dörfer der Maroniten und griechischen Zyprioten im Norden Zyperns sterben aus. In Kormakitis, einem Ort mit 102 Einwohnern, sind unter den Menschen, die sich um den UNO-Lkw scharen, nur wenige unter 60 Jahren alt. Ein Mann liest von einer Liste laut die Namen ab, ein anderer, der auf den Lkw geklettert ist, verteilt die Säcke. Vor ein paar Jahren hat es hier sogar noch eine Grundschule gegeben. Doch um weiter auf Griechisch lernen zu können, mussten die Kinder in den Süden ziehen. Und für Junge gibt es sowieso kaum Jobs. Ihre Häuser konnten die Maroniten bis vor kurzem weder vererben noch verkaufen. Sie fielen meist an türkische Familien, die vom Festland gekommen waren. "Wir wollen eine Lösung für das Zypern-Problem", sagt der 66-jährige Ioannis. "Damit die Maroniten wieder in ihre Dörfer gehen können." Doch es wären wohl wieder nur die Alten, die zurückkehren.