Die Geschichte von Bacilia Herrera war schon in Vergessenheit geraten. Doch der Sieg von Ollanta Humala bei den peruanischen Präsidentschaftswahlen könnte dem Fall der verzweifelten Frau neuen Auftrieb geben.

"Ich bin mit Rückenschmerzen ins Spital gegangen und mit durchtrennten Eileitern herausgekommen", berichtete die Indigene der spanischen Zeitung "Público". "Sie haben mich einfach sofort in ein Bett gelegt und mir Spritzen verabreicht. Am nächsten Tag war ich operiert", erzählte die Mutter von fünf Kindern - eine niedrige Zahl, denn in der Bergregion, aus der sie stammt, pflegen Frauen zwischen sieben und zehn Kindern zu haben.

Der Internationale Währungsfonds hatte in den 1990er Jahren befunden, dass Peru sein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum in den Griff bekommen müsse. Stimmen die Augenzeugenberichte und Recherchen peruanischer Medien, so hat die damalige Regierung in Lima einen ganz besonderen Lösungsweg beschritten. Ärzte seien angewiesen worden, in armen, ländlichen Gebiete Frauen zu sterilisieren, sie zu Zahlen in einer Bevölkerungsstatistik zu machen.

Die untermauert eindrucksvoll diese Annahme: 1996 ist die Zahl der chirurgischen Sterilisierungen von jährlich 25.000 auf mehr als 100.000 jährlich gestiegen, diese Zahl wurde 1997 noch übertroffen. 1998, nachdem der Skandal öffentlich wurde und durch die Presse ging, kehrten die Zahlen wieder auf ihr ursprüngliches Niveau zurück. Mehr als 200.000 Frauen - so nehmen Menschenrechtsorganisationen an - sind unfreiwillig unfruchtbar gemacht worden.

Die Betroffenen berichten von Bestechungsversuchen mit einem Sack Reis oder Zucker, Erpressungen - beispielsweise mit der Drohung, künftig medizinische Hilfe zu verweigern - oder schlicht und ergreifend von direkter Gewaltanwendung. Die Ärzte wiederum sollen Quoten vorgeschrieben bekommen haben, bei deren Nichterfüllung eine Entlassung blühte.

2000 Frauen haben seither Klage eingebracht. Doch andere, wie Bacilia Herrera, wurden von Anfang an von den Behörden abgewiesen. Schließlich fand sich auf einem Dokument, das die Durchtrennung ihrer Eileiter autorisierte, die Unterschrift der Analphabetin.

Fast zwei Jahrzehnte lang blieben Fälle, wie der von Herrera verschüttet. Eine einzige Klägerin hat es bisher geschafft, Recht zu bekommen. Das sei vor allem an den rechten Regierungen gelegen, meinen Betroffene, doch unter dem neuen linken Präsidenten - so hoffen sie - werden ihre Fälle neu aufgerollt.

Einen ersten Schritt haben zwei Menschenrechtsorganisationen getan und mittlerweile den Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte eingeschaltet.