Im Sommer kommt die Realverfilmung des Disney-Klassikers "Der König der Löwen" ins Kino. Am Montag wurde der erste längere Trailer dafür veröffentlicht. Das führte zur erneuten flächendeckenden Anwendung einer kuriosen neuen journalistischen Form. Der "YouTube-Video mit Bildtext"-Artikel. Sprich: Man kopiert den Link des Videos, schreibt "Neuer Trailer für König der Löwen veröffentlicht" und publiziert das ohne viel weiteren Kommentar auf der Nachrichten-Homepage. Zuletzt war das Phänomen vergangene Woche zu beobachten gewesen, als der Trailer für die neue "Game of Thrones"-Staffel herauskam. Die journalistische Leistung ist überschaubar, also die Leistung überhaupt ist überschaubar: Sie besteht im Wesentlichen darin, möglichst schnell - bevor die anderen Konkurrenz-Linkkopierer ihre Computermaus angeworfen haben - einen YouTube-Link zu kopieren.

Jetzt kann man natürlich trefflich darüber streiten, ob man sich darüber auch schon wieder aufregen muss. Aber es ist Wochenanfang und wann, wenn nicht jetzt, kann man sich übellaunig an irrwitzigen Entwicklungen der eigenen Branche abarbeiten. Gut, man kann sagen: Wenigstens ehrlich. Viel mehr als nichts kann man zu einem Trailer, der erst seit ein paar Minuten online ist, ohnehin nicht sagen. Man braucht sich dann aber auch nicht wundern, wenn das Image des Journalismus immer mehr Kratzer abbekommt - ob die paar Klicks mehr auf der Homepage das am Ende wirklich wert sind?