Sich in Japan zu entschuldigen, ist eine eigene Wissenschaft. Bis zu elf verschiedene Arten kennt die gesellschaftliche Konvention auf der Insel, wobei die stärkste Form, die öffentliche Abbitte vor Kameras und Fotografen, zu den tränenreichsten zählt. Das äußere Zeichen ist die tiefe Verbeugung, gefolgt von einem Eingeständnis, das in etwa lautet: "Es gibt keine Entschuldigung dafür, was ich getan habe." Von Interesse ist in diesem Zusammenhang, dass es nicht nur die Täter sind, die auf die Weise um Verzeihung bitten, sondern auch deren Chefs. Das hat mit der kollektiven Mentalität in Japan zu tun, bei der das Wohl der Gemeinschaft vor das des Einzelnen gestellt und versucht wird, bei jeder Handlung den Mitmenschen zu berücksichtigen und dadurch eine harmonischere Gesellschaft zu fördern.

Man kann sich also gut vorstellen, was in Japan los wäre, wenn es dort während einer nordischen Ski-WM zu einem Skandal à la Seefeld inklusive spektakulärem Polizeizugriff kommen würde. Die gesamte Sportwelt, angefangen beim Verbandspräsidenten über die betroffenen Athleten bis zum kleinsten Servicemann, käme aus der Beugehaltung gar nicht mehr heraus - wohl wissend, dass sie alle einen Anteil an der Misere haben und die Konsequenzen zu tragen hat. In Österreich wäre ein solches Verhalten natürlich undenkbar. Wo käme man hin, wenn ein Peter Schröcksnadel, ein Markus Gandler oder auch die gedopten Athleten selbst vor der gesamten Sportweltgemeinschaft öffentlich Abbitte leisten würden? Stattdessen begnügt man sich mit der Opferrolle, reicht die "armen verführten Doper" durch TV-Shows und spricht von "Gruppen, die uns schaden wollen". Was ist so schwer daran, sich ohne Wenn und Aber zu entschuldigen? Für den Anfang auch ohne Tränen.