Die aktuelle Generation der österreichischen Nationalkicker ist wahrscheinlich vom Können her die beste seit Hans Krankl, Herbert Prohaska und Co. mit ihren WM-Erfolgen 1978 und 1982. Aber sie wird, wenn es so weitergeht, zum zweiten Mal in Folge trotz unspektakulärer Qualifikationsgruppen ein Großereignis verpassen. Nach der Heimpleite gegen Polen und dem Desaster in Israel wird praktisch jedes der restlichen acht Matches zu einem Finale. Und man darf sich die Frage stellen, wie es zu einer Partie wie in Haifa kommen kann, in der man als klar bessere Elf plötzlich von beherzt kämpfenden Israelis abgefertigt wird. Womit wir beim Teamgeist wären. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn die Mannschaft förmlich zerbricht, wenn sie nicht in jeder Minute für ein gemeinsames großes Ziel, für ein neues rot-weiß-rotes Fußball-Narrativ, für ein mögliches epochales Projekt brennt. Es beginnt bei der Kadereinberufung, die viele oft als lästige Pflicht sehen, setzt sich bei der lustlos ertragenen Hymne fort und endet mit ins Mikrofon gebrabbelten "Wir-haben-schlecht-gespielt"-Stehsätzen. Wann haben Sie das letzte Mal folgenden Satz eines Nationalspielers gehört? "Für mein Land zu spielen, war immer ein Lebenstraum von mir. Meine Kollegen und ich werden unser Herzblut geben, um zur Endrunde fahren zu können."

Das ÖFB-Team, unter dem frühen Marcel Koller noch Wohlfühloase mit hungrigen Spielern, ist zu einem Durchgangsposten von gesättigten Akteuren geworden, für die Klub und Nationalteam eins sind. Wenn Franco Foda es nicht schleunigst schafft, aus seiner Mannschaft ein Team mit dem entsprechenden Geist zu formen, wird die vom Talent her goldene Generation mangels Mentalität als vergeudete in die rot-weiß-rote Fußballhistorie eingehen.