Bernhard Baumgartner ist Redakteur im Kultur-Ressort der "Wiener Zeitung". - © WZ / Thomas Seifert
Bernhard Baumgartner ist Redakteur im Kultur-Ressort der "Wiener Zeitung". - © WZ / Thomas Seifert

Man muss feststellen: Früher war der 1. April auch schon einmal lustiger. Zumal die Tradition zahlreicher Medien, ihre Leser, Hörer oder Zuseher zumindest einmal in den April zu schicken, mittlerweile praktisch ausgestorben ist. Nur mehr wenige Medien bedienen sich anlassbezogener Satire. Das sollte uns zu denken geben. Denn möglicherweise liegt der Grund darin, dass den Rezipienten angesichts der echten Nachrichten, mit denen sie tagtäglich konfrontiert sind, das Sensorium für das, was so unfassbar ist, dass es gar nicht echt sein kann, mittlerweile durch blanke Überbeanspruchung einfach verloren gegangen ist. Wenn etwa eine an sich vertrauenswürdige Facebook-Seite berichtet, dass Mitglieder der britischen Königsfamilie (bekanntlich deutscher Abstammung) wegen des drohenden harten Brexit um deutsche Pässe angesucht habe, mutet das eher wie eine kluge Vorsichtsmaßnahme an denn als Scherz. Wer die täglich noch absurder werdenden Reden des amerikanischen Präsidenten hört (und diese noch ernst nimmt) kann ebenso nichts dafür: In diesem Fall ist es dem Konsumenten schlicht völlig unmöglich, einzuschätzen, ob der tägliche Wahnwitz nun frei erfunden oder tatsächlich bei einer Rede irgendwo im Bible Belt extemporiert worden ist. Es ist berechtigt, wenn Kabarettisten klagen, dass die Welt ihnen das Gewerbe ruiniert hat. Wenn das Original eines Politikers lustiger ist als jede Parodie, werden Arbeitsplätze im Comedy-Bereich eben akut gefährdet.