Zitat einer Marathon-Läuferin
aus Australien am vergangenen Sonntag: "Ich komme immer zurück, weil ich das Lächeln in den Kindergesichtern liebe." Nur, gesagt hat diesen Satz Jasmin Barrett nicht etwa am Rande des Vienna-City-Marathons, sondern in Pjöngjang, Hauptstadt der kommunistischen Volksrepublik Nordkorea. Dort fand nämlich am Wochenende der Marathonlauf zu Ehren des 107. Geburtstages des Staatsgründers und "ewigen Präsidenten" Kim Il-Sung statt. Und Frau Barrett war nicht allein, sondern eine von nicht weniger als 950 Läufern aus dem "Westen" - mehr als doppelt so vielen wie im Vorjahr -, die dem totalitären Staat wohl unfreiwillig den Gefallen taten, dem Ereignis ein nettes Gesicht zu geben - und damit der Parteipropaganda auf den Leim gingen.

Wie naiv manche der westlichen Lauftouristen, die für den Trip bis zu 1800 Euro löhnten, dachten, zeigt etwa die Bemerkung des Mazedoniers Angel Arnaudow, der gegenüber der australischen Nachrichtenagentur AFP meinte, er wolle "das wirkliche Leben in Nordkorea selbst erfahren". Nun, wenn es einen Weg gibt, um der nordkoreanischen Realität auch nur nahe zu kommen, so ist die Teilnahme an einem Lauf, an dem aus der Bevölkerung nur erwählte Athleten und Jubler zugelassen sind, wohl die nutzloseste Option. Mangelwirtschaft, Arbeitslager, Bespitzelung, Gehirnwäsche - das "wirkliche Leben" bekommt man beim lustigen Schaulaufen in Pjöngjang niemals zu sehen. Da sollte man sich auch nicht durch Kinderlächeln täuschen lassen.