Im Alter von zehn Jahren starten die zukünftigen Balletttänzer ihre Berufsausbildung. Sie brennen darauf, auf der Bühne zu tanzen, und sie sind gierig, den Applaus zu hören. Dafür setzen sie sich nicht nur selbst unter Druck, ihre gesamte Ausbildung ist darauf ausgerichtet. Das höchste Privileg, die höchste Anerkennung ist es dann, schon während dieser Ausbildung den Duft der Kostüme, das viel zu grelle Licht und vor allem das Lampenfieber im Magen und in den Knien zu spüren. Gute Nerven und Selbstkontrolle muss man haben. Das ist nur durch Erfahrung erlernbar. Schlackernde Knie kann man sich später nämlich nicht leisten, sonst landet man bei der ersten Pirouette im Orchestergraben. So etwas möchten sicherlich auch die Mitarbeiter des Arbeitsinspektorats nicht sehen. Dennoch könnte es so kommen, denn dieses ermittelt nun, ob das Einsetzen der Eleven der Ballettakademie in Produktionen der Staats- und Volksoper rechtens ist.

Jetzt würde es wirklich kompliziert: Wie soll man die drei Knaben in der " Zauberflöte", die Straßenkinder in "Carmen", die vielen Püppchen in der "Puppenfee" oder die Kinderrollen in Film und TV besetzen? Doch die Frage ist nicht relevant, denn der Gesetzgeber hat im Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz Ausnahmeregelungen beschlossen. Ohne Frage gilt es, diese einzuhalten. Doch unterbinden darf man die Auftritte auf gar keinen Fall, denn wenn man erst mit 18 Jahren auf der Bühne debütiert, ist zumindest die Ballettkarriere vorbei, ehe man all die verpassten Erfahrungen nachgeholt hat.