Tamara Arthofer ist Leiterin des Sport-Ressorts der "Wiener Zeitung".
Tamara Arthofer ist Leiterin des Sport-Ressorts der "Wiener Zeitung".

Binnen zehn Tagen hat Red Bull Salzburg in dreierlei Hinsicht für klare Verhältnisse gesorgt: Mit den Siegen über den Linzer ASK (2:0) sowie Sturm (3:1) hat sich der Fußballmeister de facto die erfolgreiche Titelverteidigung gesichert, und nachdem am vergangenen Mittwoch der Abgang von Trainer Marco Rose verkündet worden ist, hat man nun auch die Nachfolge geregelt. Dass diese von Jesse Marsch angetreten wird, mag einige an die Spielerschieberei zwischen Salzburg und Leipzig erinnern (wenn auch in umgekehrter Richtung als sonst zumeist) und wird darob auch von einigen Fans abgelehnt, ist aber konsequent. Denn auch Marsch ist - wenn man so will - ein Produkt aus dem Red-Bull-Universum; nach seiner Tätigkeit als Cheftrainer der Fußball-Dependance in New York war er zuletzt als Co in Leipzig tätig. Mit seinen Erfahrungen aus den USA, wo er seine Spielerkarriere durchlaufen und als Trainer angefangen hat, bringt er zudem neue Impulse mit. Freilich birgt ein Trainerwechsel stets Gefahren, und dass Rose ein Glücksfall für Salzburg war, braucht man nicht mehr gesondert zu betonen. Der Youth-League-Titel mit der U17 vor zwei Jahren sowie mit dem A-Team im Vorjahr das Europa-League-Halbfinale und der Meistertitel, heuer zu 99,9 Prozent die erfolgreiche Verteidigung desselben sprechen eine deutliche Sprache. Doch das System Red Bull war nicht in erster Linie wegen Rose erfolgreich, sondern weil es Trainer wie Rose hervorbringt. Bei den Spielern gilt dasselbe: Leistungsträger mögen gehen, andere wie Erling Haaland und Dominik Szoboszlai stehen bereit. Den maximalen (internationalen) Erfolg kann auch Salzburg nicht planen. Aber es kann für jene Verhältnisse sorgen, die ihn ermöglichen. Klare Verhältnisse eben.