Der Zorn war groß am Montagabend. Nicht auf jene, die Schuld am Brand der Kathedrale Notre Dame von Paris tragen. Sondern auf die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Sender sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Viele fühlten sich schlecht informiert, hätten sich gewünscht, der ORF hätte ausgiebiger über das Feuer berichtet. Tatsächlich gab es bereits um 21 Uhr eine Sondersendung, ORFeins berichtete laufend in Kurznachrichten, die ZiB2 widmete sich dem Thema als erstem Beitrag mit zwei Studiogästen. Die deutschen Öffentlich-Rechtlichen hinkten im Vergleich ein wenig nach.

Nun stellt sich aber die Frage, was sich jene, die den ORF getadelt haben, eigentlich erwarten. Einen stundenlangen Live-Einstieg, wie ihn Nachrichtensender in solchen Situationen machen? Oder ein anderer öffentlich-rechtlicher Sender, die BBC? Zugegeben, die Infrastruktur wäre da: Der ORF könnte durchaus auf ORFIII, der nicht gerade rasend aktuelles Programm abspielt, eine solche Dauernachrichtensendung auslagern. Wer, wenn nicht der ORF hätte auch noch die journalistische Manpower im Nachrichtenbereich dafür. Aber was hätte man da dann gesehen, was man nicht auch auf CNN, N-TV, Al Jazeera, France 24 und all den anderen gesehen hat: Videos vom Feuer und Moderatoren, die sich mit Worthülsen von Experteninterviews zu spärlichen Neuigkeiten aus Paris hangelten. Und die echten Breaking News waren auf Twitter eine halbe Stunde vorher zu lesen, bis sie
die Sender bekanntgaben.