"Man kann auch nett sein im Internet", hat Popsängerin Pink kürzlich in einer Talkshow gesagt. Das ist naiv oder rührend hoffnungsvoll. Denn absurderweise war der Grund, warum Pink das sagte, dass sie bereits weiß, dass es nicht stimmt. Sie hat nämlich beschlossen, Fotos ihrer Kinder nicht mehr auf den Sozialen Medien zu posten, weil sowohl sie als auch die Kinder dort hauptsächlich beschimpft wurden. Dass sich die Eskalationsschwelle auf Twitter und Co. mittlerweile unter der Knöchelhöhe befindet, hat am Wochenende ein Disput zwischen einer Comedienne und einer Journalistin beeindruckend veranschaulicht. Letztere hatte einen Text über einen Preis für Influencer geschrieben. Dort hatte die Humoristin eine Rede gehalten, in der sie es sich verbeten hatte, als "Komikerin" bezeichnet zu werden. Wenn das noch einmal geschehe, werde sie auswandern. Diesen aufgelegten Elfer nahm die Journalistin auf und erwähnte ein paar Mal den Begriff "Komikerin" in ihrem Text. Die Berufsspaßmacherin, offenbar doch mit wenig Humor ausgestattet, klagte bitterlich, weil sie aus dem Land gejagt werden solle. Das bezog sie allein auf ihren Migrationshintergrund und vergaß ganz, dass sie das Szenario eigentlich selbst erfunden hatte. Mit nicht versiegen wollenden Postings heizte sie ihre Fans an, die sich ganz auf die vermeintlich "rassistische" Journalistin einschossen. Eine Strategie, die auf den Schulhöfen dieser Welt als Mobbing zum Zwecke der Beliebtheitssteigerung erfolgreich betrieben wird. Unter Erwachsenen wirkt sie so unsouverän wie jämmerlich.