Auch schon wieder 300 Jahre ist es her, dass Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel gelandet ist. Am 25. April 1719 erschien Daniel Defoes Abenteuerroman, dessen Titelfigur nicht nur einem ganzen Genre den Namen geben sollte, sondern auch symbolhaft für findige Gestrandete steht. Zum Jubiläum standen nun wieder Interviews auf dem Programm, die sich politisch korrekt mit dem Buch auseinandersetzten. Da wurde Robinson als weißer Imperialist interpretiert, als Immigrant, der zum Unterdrücker wird. Das Buch spiegle die "Logik einer Sklavenhalterordnung" wider, sei eine problematische Kolonialisierungsfabel. Anders als in früheren Debatten wurde diesmal aber kein Leseverbot gefordert. Sondern nur darauf hingewiesen, dass eine kritische Lektüre des Romans angebracht sei - der ja weniger in seinem Original bekannt ist als die Version, die Filme und Kinderbuch-Simplifizierungen daraus gemacht haben.

Nun ist es so: Kritische Lektüre ist eigentlich fast immer anzuraten. Dass heutzutage mitunter der Bildungsstand nicht mehr erlaubt, dass man die historischen Hintergründe mitdenkt oder womöglich sogar eigenständig nachliest, dafür können das literarische Werk und der Autor, der ein Kind seiner Zeit war, nichts. Und auch nicht dafür, dass "Robinson Crusoe" bei den meisten heute ohnehin eine andere Assoziation weckt. Das Gros der Texte zum Jubiläum fiel nämlich unter die Kategorie: "Auf diesen Inseln hätte es Robinson Crusoe gefallen."