Pedro Sánchez, "der Schöne", scheint es geschafft zu haben. Der Chef von Spaniens Sozialisten kann aller Voraussicht nach Ministerpräsident bleiben. Seine Partei ist unter seinem Vorsitz wieder auf Platz eins zurückgekommen, den vorläufigen Berechnungen nach dürften es um die 26 Prozent sein. Klar deklassiert auf Platz zwei: die konservative Volkspartei, die fast ein Drittel verloren hat und bei 18 Prozent ihre Wunden lecken muss. Dabei war die Volkspartei bis zum Wahltag stärkste Kraft im Parlament, wurde aber vergangenes Jahr in einer Hau-Ruck-Aktion von Sánchez per Misstrauensantrag entthront.

Dank der spanischen Wahlgesetze hieß das nicht automatisch Neuwahlen, sondern Sánchez konnte als zweitstärkster Kraft stattdessen weiter regieren. Ein klassischer Fall von "Plötzlich Präsident". Und seine erste Amtszeit, die kaum ein halbes Jahr dauerte, war ein einziges Schaulaufen für die vorgezogenen Wahlen, von denen Sánchez wusste, dass sie trotzdem bald anstehen werden: Er besetzte seine Ministerjobs zum Großteil mit Frauen, er ließ Flüchtlingsschiffe, die im Mittelmeer heimatlos herumirrten, anlegen, er machte Schluss mit dem Streit um Francos Grab und verfügte, dass der Machthaber von einst nicht mehr inmitten seiner Opfer liegt. Maßnahmen, mit einer großen PR-Reichweite, für die er aber im Parlament nicht ans Eingemachte gehen musste. Konnte er auch nicht, mit seiner Minderheitsregierung. Das konnte eben nicht ewig so weiter gehen.

Und so kam es, die Kräfte, die Sánchez gerufen hatte, um die Volkspartei im Sommer 2018 von der Macht zu stoßen, schließlich auch Sánchez in Runde eins zu Fall brachten: Die Regionalparteien verweigerten ihm im Februar 2019 die Unterstützung für ein Budget und machten so die Neuwahlen im April notwendig. Nun sieht es am Wahlabend aller Voraussicht nach so aus, dass die Mehrheit der  Regionalparteien dem linken Block wieder zur Mehrheit verhelfen werden. Mit Sánchez, so haben sie gemerkt, ist mehr Föderalismus drinnen, als bei den Konservativen, die mit Zwangsverwaltung und Zentralismus in den Wahlkampf gegangen sind.