Reformen haben oft eine Art Robin-Hood-Charakter. Man verändere die Spielregeln so, dass die Reichen etwas weniger und die Armen etwas mehr besitzen. Auf die Reform der heimischen Bundesliga umgelegt bedeutete dies: Der Serienmeister Red Bull Salzburg verliert ein paar Punkte, und schwächere Klubs gewinnen imVerhältnis welche - was ja nach der Teilung der Tabelle (und der Zähler) auch passiert ist. Allein, genutzt hat es nichts, die Salzburger wurden am Sonntag trotzdem vorzeitig Meister, womit sich wieder einmal das alte (und oft missverstandene) Bibelwort bewahrheitet hat: "Wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird noch genommen, was er hat." Und da geht es nicht nur ums Geld, wie Kritiker des Mäzenatentums von Dietrich Mateschitz bald bemängeln werden. Schließlich gilt auch für die Salzburger immer noch die altbekannte Weisheit, dass Geld allein keine Tore schießt.

Es liegt vielmehr an ganz anderen Faktoren, die nun Salzburg den sechsten Titel in Serie und den früheren Platzhirschen Rapid und Austria das Ausgedinge in den Tabellen beschert haben. Mangelndes Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl, finanzielle und institutionelle Abhängigkeit sowie die ständige Beschäftigung mit hausgemachten Problemen wie dem richtigen Umgang mit den eigenen Fans zum Beispiel. Und natürlich nicht zu vergessen die Funktionärspolitik, die bei den Wiener Mannschaften nach wie vor nach (partei-)politischer Patronanz schmeckt. Dagegen hilft auch keine Liga-Reform.