Gut, ein Abend wie dieser, an dem der FC Liverpool in einer jetzt schon legendären Aufholjagd ein 0:3 gegen den FC Barcelona im Halbfinal-Rückspiel der Champions League durch einen 4:0-Sieg in den Finalaufstieg verwandelte, wird auch im neu angedachten Wettbewerb nicht auszuschließen sein. Ansonsten aber dürften auf Fußball-Romantiker harte Zeiten zukommen. Denn während vor den Kulissen alles in ein rotes Jubelmeer getaucht ist, bastelt Andrea Agnelli, der Chef der European Club Association sowie Juventus Turins, gemeinsam mit der Uefa dahinter bereits an einem neuen Format der Champions League ab dem 2024 beginnenden neuen Vermarktungszyklus: einer in drei Phasen unterteilten geschlossenen Liga ohne Auf- und Abstieg nach dem Modell der US-Sportarten. Gespielt werden soll auch am für die nationalen Ligen heiligen Wochenende.

Doch da im Sport schon so manche heilige Kuh zur Schlachtbank geführt und auf dem Altar des Geldes geopfert wurde, scheint ein solches Szenario immer wahrscheinlicher zu werden - auch wenn sich die Ligen und die kleineren Vereine, die kaum noch Chancen sehen, jemals im Konzert der Großen mitspielen zu können, querlegen. Die Klubs bräuchten Planbarkeit, argumentiert indessen Agnelli. Zumindest aus seiner Sicht ist das schlüssig: Juventus ist - trotz des millionenschweren Einkaufs von Cristiano Ronaldo - vorzeitig ausgeschieden, und die Vereine seien schließlich Unternehmen, die sicherstellen wollen, dass sich ihre Investments bitteschön auch lohnen.

Fußball wird aber freilich immer noch auf dem Rasen und nicht hinter den Kulissen in wohlsituierten Geschäftsräumlichkeiten gespielt. Und dass gerade die Unberechenbarkeit (die ohnehin immer geringer wird) seinen Reiz ausmacht, war selten klarer als nach einem Abend wie diesem. Man darf halt nur gerade kein Barcelona-Anhänger sein.