Es scheint, dass Südafrikas Regierungspartei ANC mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Nach Auszählung der Stimmen aus mehr als einem Drittel der Wahllokale lag der ANC bei 56 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis kann sich zwar noch um ein paar Prozentpunkte verschieben, doch zwei Sachverhalte zeichnen sich bereits ab: Der ANC wird nicht mehr an die 62 Prozent der Stimmen herankommen, die er bei der letzten Parlamentswahl erhielt. Gleichzeitig wird er aber wohl seine absolute Mehrheit behalten.

Damit steht Südafrika erneut eine Alleinregierung des ANC bevor. Trotzdem ist fraglich, ob es dieser Regierung gelingen wird, große Streitigkeiten zu vermeiden. Denn der ANC ist eine Partei, die aus vielen Parteien besteht. In ihm finden sich Liberale wie Linke, Gewerkschaftsmitglieder wie Unternehmer, er ist in verschiedene Lager gespalten.

Nachwehen der Ära Zuma

Der ANC-Vorsitzende Cyril Ramaphosa hat einen wirtschaftlichen Aufschwung versprochen, der vor allem den Armen zugute kommen soll. Doch er wird sein Programm nur durchziehen können, wenn sein Kabinett als Einheit hinter ihm steht. Dafür hat er zwei Möglichkeiten: Entweder er besetzt möglichst viele Posten mit seinen Gefolgsleuten. Oder er versucht, einen Ausgleich zwischen den einzelnen Lagern zu schaffen.

Der zweite Weg würde wohl innerhalb der Partei weniger Konflikte bringen. Allerdings gibt es dabei eine Gruppe, die für Ramaphosa zum Klotz am Bein werden könnte: Die Gefolgsleute des Ex-Vorsitzenden Jacob Zuma. Ramaphosa hatte vor eineinhalb Jahren Zuma in einer Kampfabstimmung von der Spitze des ANC verdrängt. Zuma war wegen zahlreicher Korruptionsaffären nicht mehr tragbar. Doch viele Netzwerke, die sich während des zehnjährigen Parteivorsitzes herausgebildet haben, sind geblieben. Und sie sind weiter einflussreich.

Die Korruption reichte unter der Ära Zuma tief in den ANC hinein. Ramaphosa hat sein Wort gegeben, damit aufzuräumen. Wenn die Südafrikaner nun weiter vielen Politikern aus der Ära Zuma begegnen, verliert dieses Versprechen an Glaubwürdigkeit.

Mit seinem Wahlsieg steht der ANC erst am Beginn eines schwierigen Weges - eines Weges, auf dem er noch viel mit sich selbst ringen wird.