"Audere est facere - Wagen heißt Tun". Das lateinische Motto, das Tottenham Hotspurs in seinem Wappen führt, kommt nicht von Ungefähr. Sprichwörtlich könnte man es auch mit "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt" übersetzen. Und gewagt hat Coach Mauricio Pochettino in den fünf Jahren, seit er die Spurs aus der zweiten Reihe des englischen Fußballs zurück in lichte Höhen führte und dafür nun mit dem Einzug in das Champions-League-Finale belohnt wurde, viel. Sein Talent für den richtigen Aufbau und Umgang mit jungen, hungrigen Spielern hat er in der Vergangenheit schon bewiesen, wirklich aufgegangen ist ihm das jetzt im Halbfinale gegen Ajax Amsterdam, als der im Jänner 2018 zu Tottenham gewechselte Brasilianer Lucas Moura (auswärts) gleich alle drei Tore erzielte - das letzte sogar erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit.

Da kann einem freilich Ajax, das unter Coach Erik ten Hag in den vergangenen zwei Jahren einen nicht weniger erstaunlichen Weg gegangen ist und im Rückspiel am Mittwoch sogar 2:0 geführt hatte, nur leidtun. Nicht wenige hätten den Niederländern, die wie die Engländer im Fußball wieder im Vormarsch zu sein scheinen, den Einzug ins Finale - das erste seit immerhin fast 25 Jahren - wohl von Herzen gegönnt. Aber dazu war man am Ende vielleicht doch zu wenig demütig, wähnte man sich bereits im Endspiel und ließ drei Tore zu, die nicht sein hätten müssen. Eine Diagnose, die Ajax mit dem FC Barcelona, das ebenfalls eine 3:0-Führung aus der Hand gab, teilt.

Unterm Strich muss man aber sagen, dass die beiden Finalisten zu Recht feststehen - und dass es sich dabei um zwei englische Mannschaften handelt, macht das Ganze nur sympathischer. Wer hat in den vergangenen Jahren nicht eh schon die Nase voll von den spanischen Klubs gehabt?