Dass ein Nobelpreisträger seine Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen kann, weil er im Gefängnis sitzt, kennt man ja sonst nur aus China. Mit Alberto Curamil hat das nun auch ein Chilene geschafft. Wobei: Der ist jetzt nicht direkt ein Nobelpreisträger. Er wurde nur vergangene Woche mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet. Aber das ist so etwas wie der Nobelpreis für Umweltschutz und wird seit 1990 jährlich an sechs "Umwelt-Helden" vergeben. Die Jury befand den Anführer eines Stammes der Mapuche-Indianer für auszeichnungswürdig, weil er einen heiligen Fluss gerettet hat. Auf dem Río Cautín in Mittelchile sollten zwei Wasserkraftwerke gebaut werden. Das hat Curamil verhindert, obwohl die Kommerzialisierung von Wasser in Chile grundsätzlich kein Problem ist. Seit 1981 kann dort der Staat per Gesetz das Wasser des Landes privatisieren und Nutzungsrechte kostenlos und auf unbegrenzte Dauer vergeben. Der Eigentümer wiederum kann mit seinem Wasser machen, was er will. Unter anderem: verpachten, kaufen und verkaufen. Chiles Städte haben heute das teuerste Trinkwasser Lateinamerikas, und lediglich drei Unternehmen besitzen 90 Prozent der Wasserrechte für die Stromerzeugung. Im Fall der im Jahr 2013 angekündigten Kraftwerke auf dem Río Cautín, ging Curamil aber auf die Barrikaden. Er organisierte die Zivilbevölkerung, Anwälte und Wissenschafter. Sie argumentierten mitunter damit, dass die Umleitung von täglich hunderten Millionen Liter Wasser das Ökosystem schädige und die ohnedies schon mühsamen Trockenperioden in der Region weiter verschlimmere. Zudem sei der Fluss ein wichtiger Teil der Weltanschauung der Mapuche, die Flüsse, Wälder und Tiere als ihre Brüder erachten. Ganz abgesehen davon, dass die in der Region lebenden und betroffenen Indigenen gar nicht in der Angelegenheit konsultiert wurden. Über die Jahre schlossen sich die Gerichte, Berufungsgerichte und der Oberste Gerichtshof der Ansicht Curamils an. Die Durchführung der Projekte wurde untersagt, zuletzt vom Obersten Gerichtshof im Jahr 2018. Da wurde dann auch Curamil von der Polizei verhaftet. Es war nicht das erste Mal. Bereits 2014 kam er wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses ins Gefängnis. Nun ist der 45-Jährige seit August letzten Jahres in Haft. Er soll sich an einem Raubzug beteiligt haben. Ein Vorwurf, den er bestreitet. Er sei zum besagten Zeitpunkt nicht einmal in der Region gewesen, sagt sein Anwalt. Die Verhaftung, vermutet er, sei vielmehr politisch motiviert. Das lange Warten soll demnächst ein Ende haben. Angeblich wird der Prozess im Juli oder August stattfinden. Doch egal, ob Curamil verurteilt wird, oder nicht: Die zumindest vorläufige Erhaltung des Río Cautín, kann ihm keiner streitig machen.