#Lovemylife, #Foodporn, #Outfitoftheday - das sind Hashtags, die man verbreitet auf der Bilderteilplattform Instagram findet. Nicht so häufig ist der Hashtag #Lifeduringwar. Und #Nazisarehere. Diese Kennzeichnungen finden sich in einem beachtlichen Projekt, das die Möglichkeiten des als lifestyliges Eskapismusportal abqualifizierten Instagram erheblich ausweitet. Auf dem Account Evas.stories wird die Geschichte der 13-jährigen Budapester Jüdin Eva erzählt - von ihrem 13. Geburtstag, der bereits von der Deportation ihrer Cousine nach Polen überschattet wird, über die Verfrachtung in das Ghetto bis zur Ankunft in Auschwitz - basierend auf einem realen Tagebuch. Die kurzen Videos beginnen im leichten Tonfall, jugendlich-unbedarft stellt Eva sich und ihre Großeltern, bei denen sie lebt, vor. In der Schule hat sie einen Schwarm (Sabber-Smiley), der sie auch erhört (tanzende Herz-GIFs).

Immer stärker dringt der Naziterror in den Alltag ein - und die Emojis und GIFs werden weniger. Das ist spannend wie ein Spielfilm und durch die Verbindung mit der "Sprache" heutiger Jugendlicher besonders herzanrührend. Ein eigenes Kapitel erzählt den Hintergrund der Geschichte und vom Berufswunsch der echten Eva: Fotoreporterin. Eine passendere, zeitgemäßere Würdigung hätte man für dieses in Auschwitz ermordete Mädchen nicht finden können. Umso erschütternder ist im Hinblick darauf ihr Beitrag: "Wir sind von Krieg umgeben, aber ich sehe immer die Sonne."