So eine Behandlung hat sich kein Profi verdient. Nun ist ja gewiss unbestritten, dass Nick Kyrgios ein guter Tennisspieler ist, aber das ist lang kein Grund, einen inferioren Gegner, wie das Daniil Medwedew in Rom war, derart ungeniert vorzuführen. Aufschlag von unten, Tweener (Annahme des Balls zwischen den Beinen), Präsentation des Allerwertesten statt Rückspiel - das mag ja fürs Publikum ganz amüsant gewesen sein, sonderlich respektvoll war die "Show" aber nicht.

Kyrgios kommt daher wie ein Halbstarker, ein unguter Mobber im Klassenzimmer, dem nichts anderes einfällt, als sich selbst als coolen Entertainer und andere als Loser, Besessene oder Egomanen darzustellen. Besonders hat er es auf die Streber abgesehen. So unterstellte er Novak Djoković, eine Obsession darin zu haben, von allen "gemocht zu werden". Den Spanier Fernando Verdasco bezeichnete er wiederum als "arroganteste Person überhaupt" sowie dessen Landsmann Rafael Nadal als Ungustl, der sich nur nach Siegen wohlwollend zeige. Nadals Onkel Toni hieß er, weil ihn dieser als ungebildet kritisiert hatte, sogar einen Idioten.

Dass da Dominic Thiem sein Fett noch nicht abbekommen hat, grenzt beinahe an ein Wunder. Das mag daran liegen, dass der Niederösterreicher sein bisher einziges Match gegen Kyrgios - 2015 in Nizza - nicht verloren hat, während Djoković, Verdasco und Nadal im direkten Head-to-Head tatsächlich hinter ihm oder zumindest "nur" gleichauf liegen. "Wer mich nicht schlägt, kann nicht der Größte sein", behauptet Kyrgios und gibt damit zu, worum es ihm in Wirklichkeit geht: Er möchte gern so sein wie die, die er beleidigt. Für jemanden, der nur sechs Titel gewonnen und bei Grand Slams nie ein Halbfinale bestritten hat, ist das eh keine Überraschung. Aber das kann ein Kyrgios natürlich nicht zugeben.