Vielleicht war es ja frühkindliche Prägung. Damals, 1969, in der englischen Kleinstadt Hitchin, drehte der Vater von Nicola Fox den Fernseher auf. Er hob das acht Monate alte Baby aus der Wiege und zeigte ihr die Mondlandung der Apollo 11. Dabei kommentierte er fleißig, wie Neil Armstrong als erster Mensch den Erdtrabanten betrat. Heute ist Fox eine der renommiertesten Weltraum-Wissenschafterinnen der Welt. Sie ist Direktorin bei der Nasa und leitet dort eine von vier wissenschaftlichen Abteilungen, nämlich die heliophysikalische. Das ist jene Abteilung, die sich damit beschäftigt, wie die Sonne die Erde und den Rest des Sonnensystems beeinflusst. Ihre Ausbildung begann Fox an einer Mädchenschule. Das empfindet sie heute noch als großes Privileg. Für manch einen überraschend, erklärte sie, dass ihr das den Weg zu einer wissenschaftlichen Karriere geebnet habe. Derart sei sie ohne Klischees aufgewachsen, denen zufolge Buben Wissenschaft und Mathematik vorbehalten sei, während Mädchen irgendetwas anderes machen sollten. "Wir waren alles Mädchen und haben einfach getan, was wir tun wollten", sagte sie bei einem Vortrag auf der John Hopkins University in Baltimore. So landete sie nach der Matura auf dem Imperial College London, eine der forschungsstärksten technischen Hochschulen der Welt. Dort war sie dann allerdings in den meisten Klassen das einzige Mädchen. Sie studierte zunächst Physik, absolvierte dann an der Universität Surrey Satelliten- und Telekommunikationstechnik und machte im Anschluss - wieder am Imperial College - den Doktor in Weltraumphysik. Fox hatte ihr ganzes Leben davon geträumt, einmal für die Nasa zu arbeiten. Als Engländerin Einzug in die US-Weltraumbehörde zu halten, schien jedoch außer Reichweite. Als dann tatsächlich bald nach ihrem Studium die Nasa an die Tür klopfte, um sie zu rekrutieren, brauchte sie nicht lange nachdenken. Man muss eigentlich nur die Begeisterung sehen, mit der die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern von ihrem Beruf erzählt, um zu wissen, dass die richtige Frau auf dem richtigen Posten sitzt: "Die Oberfläche der Sonne hat 6000 Grad, aber wenn man sich von ihr in Richtung Weltall entfernt, wird es 2,000.000 Grad heiß. Wie kann es sein, dass etwas heißer wird, wenn man sich von der Hitzequelle entfernt? Das ist, als ob Wasser aufwärts fließen würde." Diesem Rätsel geht sie mit einer Sonde nach, die sich derzeit auf dem Weg in die Atmosphäre der Sonne befindet. Fox und die Nasa sind die Ersten, die das schaffen wollen. So ist Fox eine Vorreiterin auf dem Gebiet, so wie sie es als Mädchen in der Weltraumwissenschaft war. Inzwischen ist diese übrigens weiblich. Zumindest bei der Nasa sind drei der vier Direktorenposten mit Frauen besetzt und auch die Angestellten der Behörde sind zu 51 Prozent Frauen.