Es gibt im Sport wohl nur wenige Anlässe, die zur Bildung von Helden und tragischen Figuren besser taugen als Finalspiele in der Champions League - und die doch gleichzeitig die Schnelllebigkeit des Sports besser illustrieren.

Man denke zurück an das Endspiel vor einem Jahr: Ein tragischer Held war mit Sicherheit Mo Salah, der schmerzverzerrt vom Platz musste, nachdem Sergio Ramos ihm gepflegt die Schulter ausgekegelt hatte, eine tragische Figur Liverpool-Keeper Loris Karius, der - ebenfalls nach einem Ramos’schen Check - derart desorientiert war, dass Real leichtes Spiel hatte und Gareth Bale sich beim 3:1 als Doppeltorschütze feiern lassen konnte. Und heuer?

Karius ist bei Beşiktaş gelandet, Ramos wie Bale nicht mehr dabei (Letzterer überhaupt bei Real auf dem Abstellgleis), dafür könnte die Stunde Salahs schlagen - ausgerechnet in einer Saison, in der spätestens nach dem Halbfinale, als die Reds ein 0:3 gegen Barcelona aus dem Hinspiel mit einem 4:0-Sieg drehten, alles von den Doppeltorschützen Origi und Wijnaldum spricht.

Tottenham indessen geht zwar als Finaldebütant nicht mit der Last der Vergangenheit ins Spiel, dafür hat Trainer Mauricio Pochettino die Qual der Wahl: Nimmt er den lange verletzten Star- (und Identifikations-)Spieler Harry Kane in die Start-Elf, könnte für Lucas Moura nur der Platz auf der Bank bleiben - eben jenen Lucas Moura, dessen drei Tore bei Ajax Amsterdam das unmöglich Scheinende möglich gemacht hatten. Doch vielleicht überrascht das Finale mit einer ganz anderen Dramaturgie. Es würde zu dieser Saison, einer der verrücktesten in der Geschichte des Bewerbs, passen.