Natürlich kann man immer sagen: Soll nichts Schlimmeres sein. Gerade in Zeiten, in denen man nicht weiß, ob man am nächsten Tag mit derselben Regierung aufwacht, mit der man tags zuvor eingeschlafen ist, mag es kleinlich sein, sich darüber aufzuregen, dass manche Bereiche keinen eigenen Minister mehr bekommen haben. Außer natürlich, es handelt sich um die Kultur. Da kann man nie zu kleinlich sein. Im neu angelobten Kabinett Bierlein findet sich erstmals seit der Regierung unter Wolfgang Schüssel kein Minister oder gar eine Ministerin für Kunst und Kultur. Ja, es gibt nicht einmal einen Staatssekretär oder eine Staatssekretärin für Kunst und Kultur, wie es damals Franz Morak war. Die Agenden wurden Alexander Schallenberg übertragen, der als Außenminister allein schon ganz gut ausgelastet gewesen wäre. Diese Besetzung - oder besser: Nicht-Besetzung- finden Kunstschaffende freilich wenig erquicklich. Für Gerhard Ruiss von der IG AutorInnen ist diese Zuordnung der Kultur "unsinnig und ärgerlich. Die Kultur kann und soll dort nicht bleiben. Es ist eine Degradierung und eigentlich beleidigend."

Man muss es vielleicht nicht ganz so drastisch beurteilen, es ist aber doch etwas befremdlich, dass ausgerechnet eine Kulturnation für eine Expertenregierung keinen Experten für Kultur gefunden hat. Viel tun wird sich also in diesem Bereich im kommenden Halbjahr wohl eher nicht. Aber das wäre wahrscheinlich ohnehin so gewesen, ist doch diese Übergangsregierung angeblich nur eine verwaltende.