Zumindest in einer Hinsicht dürfen sich die Fußballerinnen, die am Freitag mit dem Eröffnungsspiel von Gastgeber Frankreich gegen Südkorea in die WM starten (21 Uhr), als Vorreiterinnen fühlen: Gemeinsam mit dem Nations-League-Final-Four, bei dem Cristiano Ronaldo Portugal am Mittwochabend zum 3:1-Sieg gegen die Schweiz und also ins Finale schoss, eröffnen sie den Turnierreigen zum Saisonkehraus. Danach kommen die U21-Kicker mit der EM-Endrunde dran, auch die Copa América steht vor der Tür. Bei den Frauen kommen auch die Adaptionen bei den Regeln, die das International Football Association Board vor einer Woche beschlossen hat - präzisiert wurde die Handsauslegung, bei den Auswechslungen, den Trainerbestrafungen sowie der Ausführung von Freistößen und Elfmetern gibt es Neuerungen - erstmals auf großer Bühne zum Einsatz.

Die Freude über die Pionierrolle hat freilich einen Haken: Denn wie die Uefa vor wenigen Tagen mitteilte, pfeift man bei der Nations League, bei den EM-Qualifikationsspielen der Männer sowie der Endrunde im Nachwuchs noch auf die Beschlüsse. Das ist möglich, da das Ifab zwar festgehalten hat, dass die neuen Regeln ab 1. Juni gelten - es aber einen Spielraum gelassen hat, der es dem Kontinentalverband ermöglicht, ihre Gültigkeit erst per 25. Juni zu akzeptieren.

Die Begründung der Uefa ist naheliegend: Die Teams sollen nicht durch kurzfristige Umstellungen in ihrer Vorbereitung gestört werden. Doch wenn dem so ist, fragt man sich, warum dasselbe bei der Fifa-Veranstaltung für die Frauen, die die große Bühne ohnehin nicht oft für sich haben, nicht gelten sollte. Regeln sind schließlich für alle da. Und sie sollten für die Fans verständlich sein - durch die unterschiedlichen Anwendungen (man kennt es vom VAR) ist das Gegenteil der Fall.