Wenn Rafael Nadal seinen Paris-Turbo zündet, ist gegen den nunmehr zwölffachen French-Open-Sieger offenbar kein Kraut gewachsen; das musste Dominic Thiem beim 3:6, 7:5, 1:6, 1:6 im Finale zur Kenntnis nehmen. Dennoch hat Thiem in diesem Turnier bewiesen, welch enorme Entwicklungsschritte er zuletzt durchgemacht hat. Das fing an beim Emanzipationsprozess von seinem Ex-Coach und -Manager Günter Bresnik (dem dennoch aufgrund der jahrelangen Aufbauarbeit und auch der Trennung ohne Groll ein wesentlicher Anteil Thiems Erfolges gehört und künftig gehören wird); das ging weiter mit den Steigerungen nach einem fehlerhaften Turnierbeginn; setzte sich fort bei den alles andere als einfachen Bedingungen, unter denen er die Hürde Novak Djoković meisterte - und das zeigte sich außerhalb des Platzes etwa in seiner Reaktion auf die Pressekonferenz, bei der er den Saal zugunsten der ausgeschiedenen Serena Williams räumen sollte, die international seltsame Blüten trieb, einen zu Recht selbstbewussten Thiem aber nicht aus der Fassung brachte. Dass alle vier Besten der Weltrangliste geschlossen die Vorschlussrunde erreichten, illustriert das außergewöhnliche Niveau dieses Herren-Turniers; dass Thiem sich diesem Kreis - dessen andere Spieler nun 53 Grand-Slam-Titel auf sich vereinen - zugehörig fühlen darf, zeigt die Qualität, die er mittlerweile hat. Dass er dennoch nicht von einer hinnehmbaren Niederlage, sondern einer "riesigen Enttäuschung" sprach, ist aber vielleicht jener entscheidende Mosaikstein, der ihn zu einem künftigen Grand-Slam-Sieger machen kann. Best of the Rest, das war Thiem jetzt noch. Wenn es mit seiner Entwicklung so weitergeht, wird ihm das bald nicht mehr reichen.