"Es fehlt uns an Ordnung und Souveränität. Es fehlt auch an der Kreativität." Keine sechs Wochen, nachdem Sturm-Trainer Roman Mählich diese Sätze gesprochen und in der Folge den eingeplanten vierten Liga-Rang (samt Fixplatz im Europacup) versäumt hatte, wurde er auch schon vor die Türe gesetzt. Die Chose in Graz richten soll jetzt mit Nestor El Maestro ein Mann, der bisher nur in der zweiten Reihe in Erscheinung getreten ist. Dabei dürfte aber die Wahl des 36-jährigen gar nicht einmal so schlecht gewesen sein.

Zum Ersten gilt El Maestro, der vor seiner Namensänderung 2002 Jevtić hieß, als ordnungsliebender und strenger Führertypus, der seine Sporen im tiefsten Osten - als junger Spieler bei Roter Stern Belgrad sowie zuletzt als Trainer von Spartak Trnava und ZSKA Sofia ("ein Riesenapparat, noch vom Kommunismus geprägt") - verdient hat. Bei mauer Leistung oder Kabalen wird da nicht lang gefackelt. Das stellte El Maestro auch bei seiner Vorstellung am Mittwoch klar: Sollte es bei Sturm Intrigen geben, "werden die mit Sicherheit abgestellt". Das kann man ihm wohl glauben, hatte er doch schon als Co-Betreuer bei der Austria die Gelegenheit, in die Tücken des heimischen Fußballs und seiner Liga zu blicken.

Ein zweites Motiv dafür, warum Sturm die "unkonventionelle Lösung" El Maestro wählte, liegt freilich am Geld. Einen Star auf der Bank kann sich Sturm derzeit nicht leisten, ja man zeigte sich förmlich dankbar, dass El Maestro gleich seinen Bruder Nikon als Co-Trainer mitgebracht hat. "Weil er mein Bruder ist, ist er billig zu bekommen", hatte der Neo-Coach gemeint. Bleibt nur, dass das Duo seinem Namen auch gerecht wird.