Teheran/Wien. Die Lüge und die Täuschung sind feste Bestandteile der Politik. Das war schon in der Antike so, in der der Philosoph Platon die "edle Täuschung" zum Schutze des Staats für zulässig erklärte, das zeigt sich heute in Regionalwahlkämpfen genauso wie in der globalen Politik. Zurück bleiben verwirrte Bürger, die nicht mehr wissen, wem sie glauben sollen, oder im schlimmsten Falle das Spiel der Täuschung mit ihrem Leben bezahlen müssen - wenn dieses nämlich zu einem Krieg führt.

Nachdem es diese Woche in der Straße von Hormuz zu mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tankern kam, ist im Nahen Osten ein brandgefährliches Schauspiel der Täuschung im vollen Gange. Kaum gingen die Bilder des brennenden Öltankers "Front Altair" um die Welt, kaum war klar, dass auch das mit Methanol beladene Schiff "Kokuka Courageous" schwer beschädigt war, stellte sich die Frage: Wer war der Täter? Schuldzuweisungen wurden schnell ausgesprochen, allen voran von den USA und dem Iran. Doch glaubhaft ist in diesem Konflikt niemand. Denn es gibt niemand Neutralen, aber unterschiedliche Akteure, die gegeneinander große Feindschaft hegen.

Erinnerungen an den Irak-Krieg werden wach

Für die USA war jedenfalls sofort klar, dass der Iran hinter den Attacken steckt. Teheran wies das sofort zurück und verbreitete wiederum seinerseits eine Version, wonach die USA und/oder ihre Verbündeten die Attacke initiiert haben.

Dieses Video soll beweisen, dass der Iran hinter den Attacken steckt. - © reuters
Dieses Video soll beweisen, dass der Iran hinter den Attacken steckt. - © reuters

Auf alle Fälle war auffällig, wie schnell die USA den Iran als Täter ausmachten. Schon am Abend nach der Attacke präsentierten sie den Schuldigen. Die Beweise: Geheimdienstliche Erkenntnisse und ein Video, das zeigen soll, wie sich ein Boot der iranischen Revolutionsgarden einem der Tanker nähert und einen nicht detonierten Sprengsatz entfernt.

Die Glaubwürdigkeit der USA wird in solchen Fällen aber durch die Gespenster der Vergangenheit geschwächt. Denn die Geschichte erinnert an die irakischen Massenvernichtungswaffen, mit denen der Einmarsch im Irak gerechtfertigt wurde, die es aber nie gegeben hat. Schon im Mai wurden vier Tanker in der Straße von Hormuz angegriffen (die Schäden waren damals geringer), auch hier machten die USA den Iran schnell verantwortlich, auch hier sind die Beweise eher dürftig als eindeutig.

Hinzu kommt: Während sich die USA unter Barack Obama noch dem Iran annäherten und sogar ein Atomabkommen mit Teheran abschlossen, hat Donald Trump das Mullah-Regime wieder zum eindeutigen Feind erklärt. Trump pflegt stattdessen ganz enge Beziehungen zu Israels Premier Benjamin Netanjahu. Israel sieht den Iran, der Israel nicht anerkennt, als größte Bedrohung an.