Aus dem Hut gezaubert werden ja meistens Kaninchen. Oder Papierblumen. Selten gelingt das mit einem ganzen Theaterdirektor. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler soll dieses Kunststück gelungen sein, glaubt man Paulus Manker. Er hatte ja kürzlich seinem Ärger über die Bestellung des neuen Volkstheaterdirektors Kay Voges Luft gemacht. Die sei ein "Verzweiflungsschuss ins Blaue" und fürderhin ein Skandal. Man muss wahrscheinlich nicht dazusagen, dass Manker sich auch beworben hatte. Nun hat sich nach der Kulturstadträtin, die ihre Entscheidung naturgemäß verteidigt, auch Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann zu Wort gemeldet. Sie war Teil jener Jury, die Kaup-Hasler mit einem Dreier-Vorschlag versorgte, nachdem der erste Bewerbungsdurchlauf nicht zum Erfolg geführt hatte. Es sei "völlig normal", dass in einem solchen Findungsprozess auf interessante Künstler "zugegangen wird und man sie einlädt, sich zu bewerben".

Das mag stimmen, aber dass dieser Findungsprozess nicht so wirklich reibungslos vor sich gegangen ist, wird man wohl auch zugeben müssen. Dass jene, die sich erfolglos beworben haben, während ein renommierter, aber der Stadträtin bis dahin wenig bekannter Theatermacher aus Deutschland zum Zug kam, ein bisschen angesäuert sind, dürfte gerade Kulturmanagerinnen nicht überraschen. Daher kann man jetzt auch aufhören mit der Rechtfertigungsmechanik. Kay Voges soll einmal in Ruhe zeigen, was er kann. Es geht um viel.