Es gibt kaum ein gründlicher und öfter sanktioniertes Feld in der Rechtsetzung und -sprechung der Fifa, als das offene Zurschaustellen politischer, religiöser oder auch persönlicher Botschaften bei Fußballveranstaltungen. Da gibt es keine Ausnahme, jedes Jesus-Tattoo, jeder Schriftzug und jede Geste wird registriert, untersucht und mit Konsequenzen bedacht. Das hat nichts mit Unterdrückung zu tun, sondern dient dazu, den Sport, die Spieler sowie die Fans vor Missbrauch zu schützen und den Fußball nicht zum Spielball für Konflikte werden zu lassen.

Während sich die meisten Klubs an diesen Grundsatz halten, hat der Wiener Verein FC Mariahilf das Kunststück geschafft, durch Missachtung dieses Konsenses für Schlagzeilen zu sorgen. Das eingeladene "Opfer" war offenbar sorgfältig gewählt: Kaum waren die Nationalteam-Spielerinnen des Vatikan am Samstag auf dem Rasen in Simmering eingelaufen, entblößten die Gastgeberinnen Haut, Fahnen und Transparente und konfrontierten die verdutzten Römerinnen mit Forderungen zu Frauen- und LGBT-Rechten sowie nach einem "Menschenrecht auf Abtreibung" (sic!). Die Folge war ein Abbruch des Spiels und die Heimreise der Gäste.

Man muss kein Kirchengänger oder strenger Fifa-Richter sein, um solche "Einzelaktionen", die offenbar nicht mit dem Verein abgesprochen waren, für falsch, unfair und unpassend zu halten. Die Standpunkte des Vatikans zu Abtreibung und Frauenrechten waren schließlich vor dem Spiel bestens bekannt. Man hätte also die Kickerinnen aus Rom nicht einladen müssen. So hat man aber diese jungen Frauen durch eine unnötige Provokation um ihr internationales Debüt gebracht. Die Vereinsleitung hat sich dafür am Montag entschuldigt.