Die einen waren erfreut, die anderen erzürnt. Als "historisch" bezeichnete Nordkorea über seine Nachrichtenagentur KCNA das Treffen zwischen Staatschef Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump und sprach von einem "produktiven Dialog". "Unser Präsident sollte amerikanischen Einfluss nicht für Fototermine und den Austausch von Liebesbriefen mit einem rücksichtslosen Diktator vergeuden", schrieb hingegen die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die die nächste US-Präsidentin werden will, im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Tatsächlich hat Trump einen Diktator aufgewertet, in dessen Land es keine Opposition, aber grausame Gefangenenlager gibt. Doch das war für Trump nie Thema in seiner Nordkorea-Politik: Vielmehr will er offenbar als der Präsident in die Geschichte eingehen, der den Konflikt um Nordkoreas Atomprogramm gelöst hat.

Dafür ist er bereit, jahrzehntelange Gepflogenheiten der US-Diplomatie über den Haufen zu werfen, Kim an der Grenze kurz die Hand zu schütteln und somit als erster amtierender US-Präsident nordkoreanischen Boden zu betreten. Der frühere Reality-TV-Star hat damit wieder einmal sein Gespür für aufsehenerregende Auftritte und starke Bilder bewiesen. Doch hat er damit auch politisch etwas erreicht?

Nicht viel, zumindest vorerst einmal. Mit seiner Fahrt an die Grenze dieses Wochenende ist es Trump zwar gelungen, den zuletzt festgefahrenen Gesprächen um Nordkoreas Nuklearprogramm wieder einen Schub zu geben. Substanziell hat dieses Treffen aber nichts gebracht. Denn noch immer stehen sich zwei Forderungen unvereinbar gegenüber: Nordkorea will erst abrüsten, wenn die Sanktionen aufgehoben oder zumindest gelockert werden. Die USA wollen aber erst von den Sanktionen lassen, nachdem Nordkorea seine Atomwaffen vernichtet hat.

Doch auch in dieser Frage könnte Bewegung hineinkommen: So berichtete am Montag die "New York Times", dass Washington überlegt, von Nordkorea nur noch ein Einfrieren seines Nuklearprogramms zu verlangen. Sollten die USA tatsächlich diese Strategie wählen, hätte diese größere Aussicht auf Erfolg. Nordkoreas Regime sieht die Atomwaffen als seine Überlebensgarantie an, weshalb es bis heute unklar ist, warum es auf diese vollkommen verzichten sollte. Pjöngjang wäre dann aber auch der Sieger der Verhandlungen: Es behielte seine Atomwaffen und wäre die Sanktionen los. Trump könnte für sich verbuchen, eine - allerdings wackelige - Lösung für einen jahrzehntelangen Konflikt gefunden zu haben. Ob es das wert ist? Im Nordkorea-Konflikt wird nun viel davon abhängen, wie sehr Trump unbedingt ein Ergebnis will, das er als Erfolg zumindest verkaufen kann - und das ihm, vielleicht noch vor den US-Präsidentschaftswahlen im November 2020, starke Bilder einbringt.