Es gab einmal eine Zeit, da war Tennis im Nationalbewusstsein der Australier so tief beheimatet wie Känguru und Koalabär. Und das nicht nur mit Blick auf die prestigeträchtigen Australian Open, die seit fast 115 Jahren in Down Under ausgetragen werden und bald als "Happy Slam" in die Geschichte eingehen sollten. Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren ging bei Grand Slams ohne Aussies nichts. Die Namen, die damals den Ballsport fast nach Belieben dominierten, waren Legion. Nicht umsonst gelten Rod Laver, Roy Emerson, Ken Rosewall oder John Newcombe als Ikonen, deren Glanz bis in unsere Zeit hineinstrahlt. Nicht zu vergessen freilich die beste Tennisspielerin (neben Steffi Graf und Serena Williams), welche die Welt jemals hervorgebracht hat - Margaret Court. Die aus New South Wales stammende Athletin hat mit 24 Titeln mehr Grand-Slam-Turniere gewonnen, als jede Frau (und jeder Mann) davor - und danach.

Heute, rund 50 Jahre später, ist vom alten Stolz der Australier nur noch wenig übrig. Mit Ausnahme einiger "Ausreißer" wie Lleyton Hewitt (Wimbledon 2001) oder Samantha Stosur (US Open 2011) sowie natürlich Ashleigh Barty, die heuer ziemlich überraschend in Paris gewann, war da seitdem nichts. Wie dieses Nichts konkret aussieht, konnte man zuletzt in der ersten Runde der Herren in Wimbledon beobachten, wo Nick Kyrgios und Bernard Tomic der alten australischen Tennisehre aber so gar nicht gerecht wurden. Während der Erste wie immer einen auf Kasperl machte, indem er seinen Landsmann Jordan Thompson nach Strich und Faden verhöhnte, ließ sich der andere von Jo-Wilfried Tsonga regelrecht in den Rasen stampfen, wofür er von den Schiedsrichtern auch noch mit einer Geldstrafe über 45.000 Pfund belegt wurde.

Das Urteil, die Vorstellung Tomics habe "nicht den professionellen Standards entsprochen", ist nicht nur peinlich, sondern auch ein neuerlicher Schlag für Australien als Tennisnation. Das haben sich die Aussies nicht verdient - und ihre mittlerweile betagten Stars von einst erst recht nicht.