Es hat Zeiten gegeben, da hätte eine Meldung wie diese die Sportwelt noch erschüttert: Erstmals hat der frühere Gouverneur von Rio de Janeiro, Sergio Cabral, Stimmenkauf vor der Abstimmung über den Olympia-Ausrichter 2016 zugegeben. 2 Millionen US-Dollar seien demnach im Oktober 2009 an 9 der 95 Wahlberechtigten geflossen, damit diese ihr Votum für Brasilien abgaben, sagte Cabral bei einer Gerichtsanhörung.

Der damalige Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sei zwar - anders als der Organisationschef Carlos Arthur Nuzman, der Unternehmer Arthur César Soares de Menezes Filho, der langjährige Leichtathletik-Weltverbandspräsident Lamine Diack sowie dessen Sohn - nicht direkt verwickelt gewesen, hätte aber davon gewusst. Nun kommt die Meldung nicht allzu überraschend. Bestechungsvorwürfe haben die Spiele 2016 (wie viele andere auch) seit jeher begleitet, Cabral, in mehreren Prozessen wegen Korruption, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung zu 198 Jahren Haft verurteilt, hat nichts zu verlieren, und Olympia 2016 ist längst Geschichte. Vergessen aber sollte es noch lange nicht sein - zum einen wegen der positiven Emotionen, die die Sportler und Fans aus aller Welt geliefert haben, und der prächtigen Kulisse, zum anderen aber auch wegen der tiefen wirtschaftlichen Krise, die zwar nicht durch die Spiele oder die Fußball-WM 2014 ausgelöst wurde, die aber durch Verschwendung, Korruption und Großmannssucht im Vorfeld verschärft wurde und die Träume der Bevölkerung platzen ließ. Alleine als Warnung davor für spätere potenzielle Veranstalter sollte die Beichte Cabrals, so wenig sie überraschen mag, nicht gänzlich mit einem Achselzucken quittiert werden.